Die Abschlussarbeiten vom Ghostwriter – Missbrauch oder Hilfe?

Die Abschlussarbeiten vom Ghostwriter – Missbrauch oder Hilfe?

Ein Studium ist eine durchaus schwierige, aber auch angesehene Ausbildung. Der Abschluss erfolgt in der Regel mit der Abschlussarbeit. Dazu sucht man sich ein Thema und verfasst eine Arbeit, zu der anschließend die akademische Würde verliehen werden soll. Entsprechend hoch sind daher die inhaltlichen und formalen Vorgaben. So manch Studierender greift da gerne in die Trickkiste. Plagiate sind jedoch schon so manchem Akademiker zum Verhängnis geworden. Neben eindeutigen Plagiaten tauchen aber auch Abschlussarbeiten auch auf, die nicht vom Studierenden selbst verfasst, sondern für Geld eingekauft wurden.

Sei es Zeitmangel oder unzureichende Motivation, die zum Kauf einer Abschlussarbeit vom Ghostwriter bewegen, die Gründe spielen keine Rolle dabei. Ghostwriting steht heute auf dem Markt für Textarbeiten vielfach für verschiedenste Themenbereiche zur Verfügung. Geht es dabei um akademische Arbeiten, sollte klar sein, dass man sich auf eher dünnem Eis bewegt, wenn solche Arbeiten zum Erlangen von z. B. Hochschulabschlüssen und akademischen Graden genutzt werden.

Ghostwriting: Alternative und Risiko

Wer seine Abschlussarbeit von einem Ghostwriter verfassen lässt und anschließend als seine eigene Arbeit zur Prüfung vorlegt, verletzt nicht nur einige Vorschriften. Die Arbeit zeigt vielmehr nur die Fähigkeiten des Ghostwriters – und genau darum geht es. Der oder die Studierende soll mit der eigenen Leistung beweisen, dass die Vergabe der akademischen Auszeichnung auch dem entsprechenden Ausbildungsstand entspricht. Das Ghostwriting im Umfeld von akademischen Ausbildungen an dieser Stelle generell schlecht zu machen, wäre allerdings falsch. Ghostwriter leisten viel wertvolle Arbeit und Unterstützung; u. a. auch dann, wenn es darum geht, Reden und Ansprachen für Politiker und CEOs zu schreiben.

Ghostwriter – einem alten Gewerbe geht es an den Kragen

Es lässt sich kaum beziffern, wie viele Personen des öffentlichen Bereichs bereits die Dienste von Ghostwritern beansprucht haben und niemand hat davon erfahren. Aber nicht nur Ansprachen und politische Reden stehen auf der Angebotsliste dieser anonymen Texter. Auch Grab- und Festreden, Motivations- und Bewerbungsschreiben werden angeboten und dankend angenommen. Geht es allerdings um die Doktor-, Master-, Bachelor- oder sonstige Abschlussarbeit, gerät das Ghostwriting schnell in diffuses Licht. Sofort kommen Gedanken an das Plagiat hoch. Zwar sind beide grundlegen verschieden, können aber zum selben Ergebnis bzw. zur Aberkennung bereits vergebener akademischer Auszeichnungen führen sowie zu gerichtlichen Strafen.

Ghostwriting ja, aber bitte nicht erwischen lassen

Ob nun ein Student teilweise abschreibt oder eine Arbeit vorlegt, die jemand anders verfasst hat, das macht keinen Unterschied. Die Tatsache bleibt bestehen, dass der oder die Studierende die Arbeit oder Teile davon nicht selbstständig erarbeitet und verfasst hat. Es ist dabei nicht möglich festzustellen, ob Studienabsolventen über die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt, um die letzte große Prüfung für einen Doktortitel, ein Diplom oder einen anderen akademischen Anschluss zu bestehen. Diese Fähigkeiten erwerben Studenten im Laufe des Studiums.

Aber auch während der Abschlussarbeit werden Rat und Hilfe bei Professoren, Studienkollegen und Betreuern eingeholt. Geeignete Literatur wird zusätzlich in umfangreichem Maß herangezogen bzw. genutzt, um inhaltliche Teile der Arbeit auszuarbeiten, zu erklären und fachlich zu untermauern. Was spricht also dagegen, die Hilfe eines Ghostwriters zu beanspruchen? Die Antwort darauf lautet wie oft im Leben: Hilfsmittel und Unterstützung durch Dritte sind untersagt, wer jedoch darauf zurückgreift, sollte sich nicht erwischen lassen. Trotzdem gilt zugleich der Grundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht wenn ein abgegebenes Plagiat verleugnet wird.

Ghostwriter: Verantwortlichkeit gegenüber der erstellten Arbeit

Ghostwriter, die eine Abschlussarbeit verfassen, erledigen einfach nur einen Job. Oft wissen sie nicht einmal, für welchen Zweck die Arbeit genau verwendet wird und wer sie letztendlich nutzt. Es ist auch nicht ihre Pflicht, das zu überprüfen. Ähnlich verhält es sich, wenn ein Gutachten erstellt wird. Die Verantwortung liegt einzig beim Auftraggeber. Alleine einen Ghostwriter mit einer Abschlussarbeit zu beauftragen, das mag moralisch eventuell bedenklich sein, ist aber noch kein Verstoß gegen Regeln oder Vorgaben. Wer das Werk lediglich nutzt, um sich für seine eigene Arbeit inspirieren zu lassen, bewegt sich innerhalb der Normen.

Wer die Fähigkeiten eines Ghostwriters erkauft, um sie als seine eigene vorzuweisen, muss sich den Vorwurf der Täuschung oder des Betrugs gefallen lassen. Im Falle einer Abschlussarbeit ist es sogar noch schlimmer, denn hier geht es um akademische Würden und die offizielle Verleihung von Titeln, die zur Ausübung besonderer Berufe und Tätigkeiten befähigen. Feststeht, dass durch Ghostwriter angefertigte Abschlussarbeiten klaren Vorgaben von Hochschulen wiedersprechen und gleichzeitig ein unfaires Verhalten gegenüber Studienkollegen und der eigenen Qualifikation belegen.

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