Studieren mit Behinderung

Studieren mit Behinderung

Grundsätzlich soll in Bezug auf die Studienmöglichkeiten einen Chancengleichheit bestehen d.h. jeder sollte die gleichen Möglichkeiten haben, ein Studienfach seiner Wahl zu belegen. In der Realität ist diese Chancengleichheit für Studierende mit einer Beeinträchtigung oder chronischen Erkrankungen nicht immer gegeben. Statistiken zufolge benötigen beeinträchtigte Studenten längere Zeit bis zum Studienabschluss, brechen ihr Studium häufiger ab oder wechseln das Studienfach bzw. die Hochschule häufiger als Studenten, die keine Beeinträchtigung haben. Diesen Menschen gleichberechtigten Zugang zur Hochschule zu ermöglichen, ist laut UN-Behindertenrechtskonvention eine unbedingte Aufgabe der Vertragsländer. So haben auch in Deutschland immer mehr Hochschulen und Studentenwerke sich dieser Aufgabe angenommen und Konzepte entwickelt, die Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigtes Studieren ermöglicht.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich?

Bei „Behinderung“ denken die meisten unwillkürlich an Geh-, Seh- und Hörbeeinträchtigte. Diese Beeinträchtigungen stellen in der Tat ein großes Handicap für den Studierenden dar. Nicht alle Veranstaltungsräume der Hochschulen sind barrierefrei zugänglich, mit Sehbehinderungen lassen sich die Vorlesungen und Seminare oft nur erschwert besuchen, und Hörbeeinträchtigte sind auf die Hilfe von Gebärdensprachedolmetschern angewiesen, die in der Regel selbst zu zahlen sind. Doch darüber hinaus gibt es zahlreiche andere körperliche Beeinträchtigungen, die das Studieren erschweren. Auch Menschen, die unter chronischen Erkrankungen und ihren Folgen leiden, auf spezielle Medikamente angewiesen sind und längere Behandlungszeiträume einplanen müssen, sind im Studium nicht gleichberechtigt. Auch psychische Erkrankungen stellen ein erhebliches Problem dar und hindern die Betroffenen daran, ihre Leistungen im vollen Maße erbringen zu können.

Wo bekommen Studenten mit Behinderungen Unterstützung?

Die meisten Hochschulen in Deutschland haben sich bereits ihrer Verantwortung gestellt und tun ihr bestes dafür, um ihren Studenten das gleichberechtigte Studieren zu ermöglichen. So stehen den Studierenden Behindertenbeauftragte zur Verfügung, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der barrierefreie Zugang wird mittlerweile in nahezu allen Hochschulen gewährleistet. Zudem gibt es zahlreiche technische Unterstützungsmöglichkeiten wie E-Learning-Angebote für Studenten, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung die Vorlesungen nicht besuchen können, sowie elektronische Arbeitsplätze, die über eine besondere Ausstattung für Sehbehinderte verfügen. Ebenso werden Studierenden, die auf die Benutzung eines Autos angewiesen sind, entsprechende Parkmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.

Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung, die sich über die Möglichkeiten der Unterstützung informieren möchten, ist grundsätzlich immer auch das Deutsche Studentenwerk. Viele Orte besitzen auch ein Studentenwerk, das mehrere Hochschulen betreut. Informationen sind immer über die jeweilige Hochschule zu erfragen. Hier erhält man auch Unterstützung, wenn man sich über besondere Prüfungsbedingungen informieren möchte oder auch Hilfe bei der Suche nach barrierefreien Unterkünften benötigt. Einige Universitäten haben auch spezielle Beratungsstellen „für behinderte und chronisch kranke Studierende“.

Der Nachteilsausgleich

Ein Begriff, der betroffenen Studierenden häufiger begegnen wird, ist der des Nachteilausgleiches. Hintergrund dieser Regelung ist der, dass Studierenden aus ihrer Beeinträchtigung nicht selten Nachteile beim Ablegen der Prüfungen oder der Vorbereitung auf selbige entstehen, wenn sie nicht besondere Bedingungen erhalten. Mit dem Nachteilsausgleich werden nach Absprache mit der Hochschule individuelle Bedingungen vereinbart, die dafür sorgen, dass die Studenten trotz ihrer Behinderung die gleichen Prüfungsvoraussetzungen haben. Dies könnten zum Beispielt längere Prüfungszeiten oder längere Prüfungsvorbereitungszeiten oder die Zulassung bestimmter Hilfsmittel sein. Wer einen solchen Nachteilausgleich in Anspruch nehmen möchte, sollte sich hierfür an den Behindertenbeauftragten der Hochschule wenden.

Finanzielle Unterstützung für beeinträchtigte Studenten

Ein Studium ist immer mit einem gewissen Kostenaufwand verbunden. Besitzt der Student darüber hinaus auch ein Handicap, sind die Kosten um ein Vielfaches größer, da er beispielsweise besondere technische Hilfsmittel benötigt oder entsprechend ausgestattete Unterkünfte etc. Auch sind darüber hinaus Nebenjobs, die für die Finanzierung des Lebensunterhalts während des Studiums meist vonnöten sind, für Menschen mit Behinderung schwieriger zu finden. Studenten mit einer Behinderung stehen daher besondere finanzielle Mittel zur Verfügung.

Grundsätzlich können Studierende Anträge auf Sozialleistungen bei den üblichen Einrichtungen stellen. Dies wären die Bundesagentur für Arbeit, der Rentenversicherungsträger und der Sozialhilfeträger.

Wie allen Studierenden steht auch Gehandicapten die staatliche Unterstützung in Form des BAföGs zur Verfügung. Dieses setzt sich aus einem staatlichen Darlehen und einem Zuschuss zusammen. Im Normalfall gibt es eine Förderungshöchstdauer, die jedoch bei Studenten mit einer Behinderung auch entsprechend verlängert werden kann.

Bedeutet die Behinderung des Betroffenen eine erhebliche Beeinträchtigung des sozialen Lebens, kann zudem nach §§ 53 ff.i.V.m. § 97 SGB XII die so genannte Eingliederungshilfe beantragt werden. Hierfür ist das Amt für Soziales zuständig. Je nach Bedarf kann eine stationäre Wohnheimversorgung, ambulant betreutes Wohnen, eine behindertengerechte Wohnausstattung oder Maßnahmen zur Integration an der Hochschule gewährt werden.

Seit dem 1.1.2008 können behinderte Menschen auch das persönliche Budget beantragen. Es handelt sich hierbei um eine finanzielle Unterstützung, die behinderten Menschen gewährt und als Geldleistung ausgezahlt wird, so dass sie diese selbstbestimmt für ihren Lebensunterhalt einsetzen können. Das persönliche Budget kann bei Servicestellen der Rehabilitationsträger beantragt werden.

Attest bereit halten

Es sind folglich zahlreiche Maßnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten vorgesehen, um den Studierenden, die eine Behinderung haben, die gleichen Bedingungen zu bieten wie den nicht-beeinträchtigten Kommilitonen. Die Antragsstellungen sind natürlich mit Bürokratie verbunden. Daher sollten sich Betroffene möglichst frühzeitig mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinandersetzen und die längere Vorbereitungsphase einplanen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die jeweilige Behinderung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen entsprechend ärztlich attestiert werden. Auch hier empfiehlt es sich, frühzeitig mit der Hochschule Kontakt aufzunehmen und sich über die Möglichkeiten und die geforderten Nachweise zu informieren.

Atteste

Atteste sind wie Beweise von einem Arzt. Sie sind sehr wichtig, um deine Behinderung nachzuweisen und wie sie sich auswirkt. Diese Atteste musst du von einem amtlich vereidigten Dolmetscher ins Deutsche übersetzen lassen. Dein Arzt sollte für seinen Bericht die ICD und ICF Klassifikationen der WHO benutzen. Auf der Website der WHO findest du Informationen zu den WHO-Klassifikationen.

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