All Inclusive Reisen – Pro und Contra

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Uni und Arbeit, Familie, Freunde und Freizeit können zuweilen ganz schön stressen. Tagtäglich neue Entscheidungen treffen, Deadlines einhalten, bei Konflikten zwischen Einzelinteressen vermitteln – anstrengend! Aus diesem Grund greifen viele Menschen bei der Wahl ihres Urlaubs auf All-Inclusive-Angebote zurück.

Doch, was ist dran am Club-Urlaub mit Vollpension und Dauerbespaßung am Hotel-Pool? Wir haben die naheliegendsten Argumente zum Thema “All Inclusive Urlaub” einmal aufgeführt:

Pro All Inclusive

Wenn es um die Urlaubsplanung geht, ist es mit dem Budget für Flugtickets oder Sprit allein nicht getan. Was viele übersehen: Vor Ort kommt finanziell noch einmal einiges auf sie zu.

Kalkulierbare Kosten

Ein romantisches Essen für zwei Personen im Restaurant, ein Drink in der Hotelbar, Eintrittsgelder in Museen oder Clubs, Autobahn-Maut, Strand- und Bade-Utensilien, Souvenirs für die Daheimgebliebenen, SMS aus dem Ausland… da wird schnell der eine oder andere Hunderte zusätzlich fällig.

Vor allem in den europäischen Nachbarländern schlägt der Urlaub mit empfindlichen Nebenkosten zu Buche. Das ergab eine vergleichende ADAC-Studie aus dem Jahr 2011. Spitzenreiter waren die Test-Orte in Niederlande und Dänemark, am günstigsten hingegen: u.a. Sveti Konstatin (Bulgarien) und Datça (Türkei).

Wer sich allerdings keine Gedanken um zusätzliche Kosten im Urlaub machen will, liegt mit einer All Inclusive Reise (kurz: AI-Reise) richtig. Hier können Sie  können rund um die Uhr ohne Aufpreis schlemmen, Getränke aller Art konsumieren.

Organisation und Sicherheit

Im Buchungspreis inbegriffen ist häufig sogar der Transfer vom Flughafen zur Hotelanlage. Dort angekommen steht ihnen ein breites Angebot an Unterhaltung und Sport zur Verfügung.

Wer also nicht möchte, muss sich nicht aus der total organisierten Umgebung der Club-Anlage heraus bewegen. Das kann vor allem in politisch instabilen Ländern (oder Nationen mit einer hohen Kriminalitätsrate) von Vorteil sein.

Nicht zuletzt ein Grund, warum All Inclusive Aufenthalte bei Familien so beliebt sind: Während die Eltern am Pool entspannen oder sich zum Beachvolleyball-Turnier einfinden, können Sie den Nachwuchs in die verantwortungsvollen Hände des Hotelpersonals geben. Denn schließlich haben Kinder zuweilen andere Freizeit-Bedürfnisse als ihre Eltern.

Gleichbehandlung

Dennoch gilt: Innerhalb der Anlage ist jeder gleich. Es gibt weder Zimmer noch Behandlungen erster und zweiter Klasse. Hier reiht sich der Rechtsanwalt nach der Erzieherin am Büffet ein, unterhält sich der Werftarbeiter beim Karaoke ebenso wie die BWL-Studentin. All Inclusive Urlaub ist gelebte Demokratie.

Konsequenzen für Umwelt und Wirtschaft

Ferienhäuser und -dörfer beanspruchen mehr Platz als große Hotel- und Clubanlagen. Club-Urlauber sind in der Regel weniger autoaktiv als Individualreisende. Somit  “bündelt” All-Inclusive Aufenthalt den Massentourismus in einem Land auf die Urlaubzentren, anstatt ihn ungehindert auf Land und Leute “loszulassen”.

Mit dem Tourismus kommen auch Arbeitsplätze in ein Land – angefangen bei Servicekräften bis zu Aufträgen für Zulieferfirmen. Damit wird auch der Umsatz von lokalen Produkten angeregt. Das gilt besonders für Länder, in denen die Wirtschaft nur noch eine ungeordnete Rolle spielt.

Contra All Inclusive

Mit anderen Worten: Solange Sie sich nicht rühren (wollen), können Sie getrost auf All Inclusive Urlaub zurückgreifen. Doch die Kehrseite ist:

Isolation

Der Unterschied zwischen den Pools in Tunesien oder auf Teneriffa ist eher gering. Die Länder hingegen haben ihr ganz spezielles Flair. Wer wirklich etwas über sein Urlaubsland erfahren will, muss raus aus der Rundum-Sorglos-Isolation.

Doch sobald Sie sich während Ihres Urlaubs außerhalb der Anlage bewegen, fallen die meisten der oben genannten Argumente weg:

Extrakosten

Sie zahlen jedes Getränk, jedes Eis und jedes Mahlzeit selbst. Sie sollten auch wissen, wo Sie sich als wohlhabender deutscher Tourist aufhalten sollten (oder wo besser nicht), müssen sich ein eigenes Urlaubs-Programm zusammensuchen etc.

Auch, wenn das aus organisatorischer Sicht für Sie ein eher geringes Problem darstellt: Alles kostet extra. Die Verpflegung ebenso wie die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Eintrittskarten bei Veranstaltungen etc.

Nutzen von AI umstrittenen

Zumal der Nutzen von Hotel- und Clubanlagen unter Experten umstritten ist. Für den Bau selbst werden große Flächen einheimischer Natur gerodet.

Und um den Touristen ein möglichst exotisches Flair zu bieten, werden üppig blühende Gärten und Parks angelegt. Das nötige Bewässerungssystem gräbt der einheimischen Bevölkerung und Landwirtschaft das Trinkwasser sprichwörtlich ab. Hinzu kommen der tägliche Aufwand für Swimmingpools, Golfplätze und sanitäre Anlagen.

Auch der wirtschaftliche Effekt auf die Region hält sich nach Meinung der Gegner in Grenzen. Gerade, weil “alles inbegriffen” ist, landen die touristischen Devisen für Gastronomie und Touren hauptsächlich auf den Konten der Betreiber solcher Anlagen. Schließlich bedeuten solche Bau-Unternehmungen erst einmal Investition: in Straßen, Kanalisationen, Anbindungen zu Flughäfen etc.

Bevor der All Inclusive Tourismus Gewinne abwirft, müssen die Ausgaben erst einmal wieder ausgeglichen werden. Auf diese Weise bleiben schätzungsweise 80 Prozent der Gelder von Touristen bei europäischen Reise-Unternehmen.

Fazit

Aus finanzieller Sicht lohnt sich der AI-Urlaub also wirklich nur, wenn Sie ihn zu 100 Prozent innerhalb der Anlage verbringen. Und wer die regionale Wirtschaft unterstützen möchte, greift auf Strukturen jenseits des Massentourismus zurück:

Übernachten Sie in einer familengeführten Pension, benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel – Sie werden sehen: Die Erfahrungen, die Sie aus genau diesem Urlaub mit nach Hause nehmen, werden Sie nachhaltig beeindrucken.

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