Wann sich eine Steuererklärung für Studenten lohnt

Das deutsche Steuersystem ist bekanntermaßen komplex und Steuererklärungen eine lästige Pflicht. Es liegt nahe zu denken, wer studiert, muss dieser nicht nachgehen. Doch das stimmt nicht ganz! Denn unter bestimmten Voraussetzungen kann es auch für Studenten lohnenswert sein, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und so Steuervorteile zu erzielen.

Wer kann sich die Steuervorteile sichern?

Wer neben dem Studium anderweitig Geld verdient, zahlt je nach Beschäftigungsart Steuern. Doch nicht nur der Nebenerwerb, sondern auch die Studienkosten an sich sind steuerlich ein Thema. Hier gelten allerdings stark abweichende Regeln für die Erst- und Zweitausbildung. Die Kosten für ein Erststudium lassen sich demzufolge bis zu 6.000 Euro als Sonderkosten absetzen, allerdings nur, wenn der Student in demselben Jahr ein steuerpflichtiges Einkommen erzielt, welches über dem Grundfreibetrag von 8.354 Euro liegt. Über diesen Betrag kommen allerdings die wenigsten Studenten, weshalb ihr Steuervorteil verpufft. Wer also direkt von der Schulbank in den Hörsaal wechselt, bleibt auf den Kosten für sein Studium sitzen.
Ganz anders die Werbungskosten: Diese lassen sich auch in die Folgejahre tragen und steuerlich voll absetzen. Personen, die:

  • sich in einem Zweit- oder Masterstudium befinden
  • nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung studieren
  • berufsbegleitend studieren
  • oder dual studieren

haben ein Recht auf das Anrechnen eines sogenannten Verlustvortrages. Übersteigen die Ausgaben die Einkünfte, lässt sich bei dem zuständigen Finanzamt eine Verlustfeststellung beantragen, die sich positiv auf die steuerliche Last in den ersten Berufsjahren auswirkt. Dieser Verlustvortrag aus der Studienzeit wird mit dem erzielten Einkommen verrechnet und mindert die Einkommenssteuer in den ersten Jahren.

Legale Schlupflöcher nutzen

Doch auch Erststudenten können hiervon profitieren. Wer zwischen Abitur und Studium clever handeln will, der nutzt das legale Schlupfloch. Der Clou: Die Länge der Erstausbildung ist gesetzlich nicht vorgegeben. Die Person muss lediglich nach Abschluss dazu in der Lage sein, mit dieser erworbenen Ausbildung Einkünfte zu erzielen. Ob diese Ausbildung in einem Zusammenhang mit dem angestrebten Studiengang in einem Zusammenhang steht oder nicht, ist dabei völlig irrelevant. Beispielsweise wird schon die Miniausbildung zum Rettungssanitäter, Taxifahrer oder Flugbegleiter als Erstausbildung anerkannt. Diese Methode lohnt sich für den, der ein kostspieliges Studium wie das Medizinstudium, ein Studium an einer privaten Universität oder gar ein Auslandssemester plant beziehungsweise keine hohen Einkünfte durch Studentenjobs erwirtschaftet.

Was darf steuerlich abgesetzt werden?

Werbungs- und Sonderkosten fallen unter anderem an für:

  • Fahrten zur Universität oder Hochschule
  • Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel
  • Studienreisen und Verpflegungsmehraufwendungen
  • Haushaltskosten bei doppelter Haushaltsführung und
  • Arbeitsmittel, wie der Schreibtisch, Schreibwaren und Büroartikel

Gelten diese Aufwendungen als Werbungskosten, so lassen sie sich auch rückwirkend für bis zu vier Jahre einreichen. Im Zweifelsfall sollte man sich professionell beraten lassen. Wann eine Steuerberatung welcher Art für Studenten sinnvoll ist, wird auf helpster.de beantwortet. Hier finden sich auch weitere nützliche Tipps rund um das Thema Steuern.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein?

Neben den bereits genannten Voraussetzungen ist die jährliche Abgabe einer Steuererklärung, bis der Steuervorteil wirksam wird unabdingbar. Auf der ersten Seite des Mantelbogens muss „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ angekreuzt werden. Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen, so muss für jede aufgeführte Aufwendung ein Beleg vorhanden sein. Teure Anschaffungen wie ein Computer werden abgeschrieben.

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