Haushaltsbuch führen – Behalten Sie den Überblick

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Täglich ist das studentische Portemonnaie harten Prüfungen ausgesetzt: neueste Technik, hippe Klamotten und Studenten-Partys, wohin das Auge blickt. Es lauern die Versuchungen en masse. Um allzu große Krater im Geldbeutel zu vermeiden, brauchen Sie einen eisernen Willen – und Muttis gutes altes Haushaltsbuch.

Das heißt, sie können natürlich auch zum kauzigen Einsiedler werden, und irgendwo am Rande der Zivilisation den Verlockungen des Geldausgebens trotzen.

Finanzen im Griff?

Doch damit verpassen Sie zweifelsohne die besten Dinge am Studium. Und dazu gehören eben auch Technik, Klamotten und Partys. Auch, wenn vieles davon als saubillig angepriesen wird – Wer nicht ganz blöd ist, weiß: Ein Euro lässt sich nun mal nur einmal ausgeben.

Um also nicht über kurz oder lang zum Fall für den TV-Schuldenberater zu werden, ist es besser, man hat seine Finanzen in den Griff. Verschaffen Sie sich also erst einmal einen Überblick über Ihren privaten Finanzhaushalt. Das Mittel der Wahl ist alles andere neu:

Das Haushaltsbuch – regelmäßige Bilanz

Ins Haushaltsbuch tragen Sie alle (!) Geldbeträge ein, die auf ihr Konto wandern bzw. die Sie ausgeben. Manch einem mag diese Institution altbacken vorkommen. Schließlich schworen schon unsere Großmütter auf diese Institution.

Vielleicht ist es das auch. Aber vor allem: Es ist ganz einfach. Vorgefertigte Haushaltsbücher gibt es für wenige Euros in jedem Zeitschriftenladen, Banken und Sparkassen bieten sie zum Teil kostenlos an, aber auch als Software (für alle, die die Buchführung lieber am heimischen Rechner machen) sowie als App fürs Smartphone.

Haushaltsbücher umfassen üblicherweise ein Jahr. Am Ende jedes Monats rechnen sie ihre Einnahmen (Gehalt aus dem Nebenjob, BAföG, Honorare) gegen die Ausgaben (Miete, Altersvorsorge, Energiekosten, Einkäufe, Kleidung).

Fixkosten / Veränderliche Kosten

Trennen Sie Fixkosten von veränderlichen Kosten. Zu den fixen (sprich: festgelegten, wiederkehrenden) Kosten zählen z.B. Monatsgehälter, die WG-Miete und Abschläge für den Stromanbieter.

Unter “veränderliche Kosten” fällt alles andere: Der Kaffee zum Mitnehmen beim Bäcker, der Cocktail in der Strandbar und die Kopien für ihr nächstes Referat.

Woran es finanziell mangelt, erleben Sie tagtäglich. Woran Sie gegebenenfalls sparen können, eröffnet Ihnen die regelmäßige Bilanz im Haushaltsbuch.

Quittung/Bon

Natürlich haben Sie ihr Haushaltsbuch nicht immer dabei, manchmal gibt es auch gerade keine Gelegenheit zum Eintragen. Lassen Sie sich daher möglichst überall eine Quittung geben.

Oder bewahren Sie wenigstens den Kassenbon auf, bis Sie diese Beträge in ihr Haushaltsbuch übertragen können. So behalten Sie die Übersicht und erkennen Sie schon bald, an welcher Stelle es Sparpotenziale gibt.

Hier lauern die Fallen

Zu den größten Geldfressern zählen unnötige Versicherungen. Vor allem, was über den empfohlenen Versicherungs-Kanon hinausgeht (Privat-Haftpflicht, Hausrat, Unfall, Rente), sollten Sie entweder gründlich überprüfen oder konsequent kündigen.

Versicherungen

Rechtsschutz oder zusätzliche Krankenversicherung können im Einzelfall nützlich werden, sollten aber im Portfolio erst nach den existienziell wichtigen Abschlüssen stehen.

Das gleiche gilt für Sachversicherungen. Häufig schließt zum Beispiel die Hausratversicherung häufig auch den Verlust des Fahrrades ein. Handelt es sich allerdings um ein besonders wertvolles Stück (auch: Handy, Brille, Laptop etc), kann sich eine extra Versicherung lohnen.

Manche Anbieter beschränken den Schutz auf Objekte bis zu einem bestimmten Wert oder greifen nicht bei “unsachgemäßer Behandlung”. Näheres zu Haftung und Ausschlusskriterien entnehmen Sie Ihrer jeweiligen Versicherungsvertrag.

Kredite

Besonders, wenn es um Unterhaltungselektronik geht, überschlagen sich die Unternehmen mit Kreditkauf-Anbeboten. Wer allerdings heute kauft und ab morgen erst zahlt, wird wegen der Zinsen am Ende mehr Geld los als bei Einmalzahlungen.

Gleiches gilt für Reisen, Autos und anderen Großinvesitionen. Statt spontan zuzugreifen, fragen Sie sich lieber, ob Sie diesen Artikel wirklich brauchen, ob es der alte nicht auch noch tut – oder ob Sie nicht einfach darauf verzichten können.

Strom, Wasser, Heizung

Energie – kurz: alles, was das Wohnen angenehm macht – ist ebenfalls ein großes Posten im Haushaltsbudget. Überprüfen Sie ggf. ob Ihr aktueller Energieanbieter noch für die passende Konditionen bereithält oder ob es inzwischen nicht vielleicht günstigere gibt. Entsprechende Möglichkeiten zum Vergleich gibt es im Internet, u.a. auf  energieanbieter-vergleichen.de, verivox.de oder spar-tarife.de

Lebenshaltung

Einen Euro hier, zwei Euro dort – und auf einmal ist der Zehner, den man gerade aus dem Automaten geholt hat, aus dem Portemonnaie verschwunden. Damit ihnen das nicht (so schnell) passiert, gilt es, schon bei den Einkäufen fürs tägliche Leben einige Dinge zu beachten:

  • Kaufen Sie nur soviel ein, wie Sie brauchen (vermeidet Müll)
  • Ein Einkaufszettel hilft gegen “Spontankäufe”
  • Gehen Sie nicht hungrig einkaufen (schont Figur und Portemonnaie)

Außerdem ist es sinnvoll, auf Fertigprodukte weitgehend zu verzichten. Grundnahrungsmittel sind häufig qualitativ hochwertiger (gesünder, sättigender), aber auch vielseitiger einsetzbar. Folge: Sie können auf Vorrat kochen und Reste vielseitig weiterverwenden.

Payback und Kundenkarten

Treuepunkte, Payback-System, Bonusheftchen und Kundenkarten versprechen praktische Prämien für Stammkunden: Von der Edelbratpfanne bis zum Designer-Messerset im Supermarkt bis zu Preisnachlässen für Familien.

Wer zehn Brote dei demselben Bäcker kauft, bekommt nicht nur zehn Fleiß-Stempel, sondern auch einen Gratis-Laib. Ähnliches gilt für die Frisuren beim Haarstylisten oder die Pizza beim Italiener um die Ecke.

Der Zweck hinter all dem ist klar: Kunden ans Unternehmen zu binden und sie dazu zu animieren, ggf. “etwas” mehr auszugeben als eigentlich beabsichtigt.

Schließlich ist es bis zur Prämie nicht mehr weit. Doch auch, wenn es nicht viel ist – es ist mehr als geplant. Zumal der “Gewinn” nicht zwangsläufig im Verhältnis zum getätigten Einkauf stehen muss.

Kreditkarten

Sie stehen im Laden, vor Ihnen der Fernseher, das Laptop, das Auto (…) Ihrer Träume? Sie wollten schon immer mal eine Weltreise unternehmen? Unerschwinglich, glauben Sie? Kein Problem: Einmal die Kreditkarte gezückt und schon sind sie ihrem Ziel ein Stück näher.

Eine Kreditkarte zu bekommen wird immer einfacher. Viele Banken werben schließlich (neben Guthaben-Boni und kostenloser Kontoführung)  auch mit gratis Kreditkarten um studentische Neukunden.

Und, wer eine hat, benutzt sie auch. Der Haken an der Sache: Der Zahlbetrag wird zunächst auf Ihrem Kreditkartenkonto vermerkt, aber das Geld wird in regelmäßigen Abständen von ihrem Girokonto abgebucht (zusammen mit den anderen Beträgen des zurückliegenden Zeitraums).

Das heißt: Wer eine Kreditkarte besitzt, läuft Gefahr, die Übersicht zu verlieren. Außerdem müssen Sie mit 10 (, nicht selten bis 20) Prozent Sollzinsen rechnen, wenn Sie Ihr Kreditkarten-Konto überziehen.

Fazit

Wer ein Haushaltsbuch führt, erkennt schon nach Kurzem, wofür er wieviel Geld ausgibt und wo die Kostenfallen lauern. Auf lange Sicht werden vielen Verbrauchern auch die Preissteigerungen im Alltag bewusst.

Wer sich auf diese Weise einen Überblick verschafft, kann auch geeignete Sparmaßnahmen ergreifen (z.B. den Energie-Anbieter wechseln, vermeintliche Konsumangebote entlarven, unbedarfte Kleinausgaben vermeiden).

Legen Sie noch heute mit Ihrem Haushaltsbuch los und führen sie es sorgfältig. Die erfreulichen Folgen werden Sie schon bald auf ihrem Konto bemerken. Und, was machen Sie mit dem gesparten Geld? Richtig – mit vollen Händen wieder ausgeben. Viel Spaß!

Weiterführende Links

Gnu Cash – Haushaltsbuch Download (Chip.de)
Familienbilanz – Exel-Tabelle (Kostenlos und Premium)
Haushaltsbuch – “Besser als jede Exel-Vorlage” (kostenlos)