Finnland – Naturerlebnis und Kulturenmix

Sie gelten als schweigsam, höflich und trinkfreudig, jedes Kindergartenkind besitzt ein Handy und als Erwachsene werden sie entweder Regisseur, Musiker oder IT-Spezialist. Die Rede ist natürlich von den Finnen. Doch die Wahrheit hinter den Klischees ergründet sich wie immer erst, wenn man das Land sebst besucht.

Und das ist dank des Schengener Abkommen sogar recht einfach. Schließlich handelt es sich bei Finnland um den nördlichste Staat der europäischen Währungsunion.

Transfer nach Finnland

Das heißt, wenn Sie wollen, können Sie morgen abreisen – ohne Visum, Währungstausch oder sonstige bürokratische Hürden. Finnland-Reisenden stehen zudem alle Wege offen.

Über Land

Sie können mit dem Auto über Land fahren, d.h. über Polen und das Baltikum und die GUS-Staaten, alternativ mit der Fähre ab Talinn (Estland) oder St. Petersburg. Oder Sie nehmen den Landweg über Fehmarn, Dänemark, den Öresund und Schweden.

Ingesamt eine Strecke von 1.500 Kilometern (ab Hamburg). Wer sich vom Film “Zugvögel – Einmal nach Inari” inspiriert fühlt, kauft sich ein Bahnticket. Auf den Spuren von Hauptdarsteller Joachim Król müsste man für die Fahrt ab Dortmund allerdings 30 bis 38 Stunden in Kauf nehmen.

Per Schiff

Alles in allem doch recht langwierige Angelegenheiten. Überaus populär ist die Überfahrt mit dem Schiff. Zahlreiche Fährunternehmen (z.B. Finnlines) legen täglich in Travemünde ab und schippern Sie direkt in die finnische Hauptstadt.

An Bord erwarten Sie Gastronomie, Shopping und (natürlich) Sauna. Alternative: Ab Rostock, und das dreimal wöchentlich. Die Reise an Bord eines Schiffs dauert zwar auch rund 26 Stunden, ist aber wesentlich entspannter als über Land.

Per Flugzeug

Die schnellste und unkomplizierteste Art zu reisen ist wohl das Flugzeug. Je nach Startflughafen und Flugunternehmen sind Sie in zwei bis drei Stunden in Suomi. In Helsinki können Sie anschließend umsteigen, um an einen der 25 finnische Flughäfen zu gelangen (u.a. Oulu, Seinäjöki, Rovaniemi, Turku, Tampere).

Klima und Reise-Regionen in Finnland

Noch so ein Klischee: Die finnischen Winter sind unerbittlich kalt und im Sommer wimmelt’s dort vor Mücken. Pauschal-Urteile, sicher. Aber: ein Quäntchen Wahrheit ist (leider?) dran.

Die Finnen nennen ihr Land “Suomi”, auf Deutsch etwa: “Sumpfland” (von finn.: “suo”). Damit erklärt sich schon einmal, worauf Finnland ursprünglich gebaut ist. Hinzu kommt ein schwül-warmer Sommer mit moderaten Temperaturen um die 20 Grad.

Sommer: Finnische Seenplatte

Damit bietet vor allem das Gebiet zwischen südlicher Küstenregion und der finnischen Seenplatte den blutsaugenden Plagegeistern ein ideales Wohlfühlklima. Dass die Finnen deswegen zwischen Juni und Juli ihre Ferienhäuser am liebsten den mitteleuropäischen Touristen überlassen, ist wiederum nur ein Gerücht.

Was dem Deutschen der Schrebergarten, ist dem Finnen seine “mökki”. Dabei handelt es sich zumeist um robuste Hütten mit angrenzender Sauna, dem wohl idealen Feriendomizil für stressgeplagte Stadtmenschen.

Für sie bietet die größte Seenplatte Europas ein wohl einzigartig naturnahes Urlaubserlebnis. Ob beim Baden, Kanufahren, Wandern, Angeln oder einfach Faulenzen weit ab der Zivilisation. Denn: Obwohl Finnland flächenmäßig etwa so groß ist wie die Bundesrepublik, wohnen dort nur etwa 5 Millionen Menschen.

Und die tummeln sich hauptsächlich in den Großstädten (z.B. Helsinki, Oulu, Tampere oder Turku). Daraus folgt: Die Wahrscheinlichkeit, sich ausgerechnet auf den 180.000 Inseln und Schären zu nah zu kommen, ist eher gering.

Winter: Lappland und Tunturis

Wer Mücken und sommerliche Schwüle vermeiden möchte, reist lieber in der kalten Jahreszeit. Die Region Lappland liegt im Norden Finnlands, und damit bereits am Polarkreis. Zwischen Januar und November klettert das Termometer dort selten über 9 Grad Minus.

Dagegen hilft unter anderem die richtige Bekleidung – und Sport. Besonders Wintersportarten sind in Finnland überhaus populär, angefangen bei Eishockey über Skispringen bis Biathlon. Daher finden Schnee- und Eis-Fanatiker aller Richtungen auch dort zahlreiche Betätigungsmöglichkeiten.

Im Winter können Sie fast überall in Finnland Skifahren. Wenn Sie möchten, sogar mit Langlaufski durch Helsinki. Für Abfahrt-Fans sind die Tunturis (Relikte der eiszeitlichen Gebirgsriesen) Paradiese im Tiefkühl-Modus.

Nicht nur im Norden, auch im Osten Finnlands herrscht oberhalb der Baumgrenze Dauerfrost. Dazu sind die Pisten sind häufig in besserer Verfassung als in St. Moritz oder Davos. Die Wartezeiten an den Ski-Liften sind in der Regel kürzer und, wo es keinen Föhn gibt, braucht man sich auch wegen etwaiger Lawinen nicht zu sorgen.

Obwohl die Tunturis es an Höhe nicht mit den Alpen aufnehmen können, bringt Sie Skifahren in Finnland häufig näher an die Natur. Bei klarem Wetter bietet sich auf den finnischen Pisten und Loipen nicht selten ein Panorama von rund 100 km. Und dann diese Stille…!

Städtereisen Finnland

Eine Art Gegenprogramm zu Natur und Einsamkeit bekommen Reisende, wenn sie die finnischen Großstädte besuchen. Obwohl: Gemessen an ihrer Einwohnerzahl lässt sich selbst die Hauptstadt Helsinki eher mit Hannover denn mit den Megacitys der restlichen Welt vergleichen.

Stattdessen setzen die Finnen eher auf Qualität denn auf Quantität. Gebäude wie der klassizistische Dom in Helsinki gehören zu den Aushängeschildern finnischer Baukunst. Daneben setzen die bauhaus-beeinflusten Häuser und Möbel von Alvar Aalto bis heute gestalterische Maßstäbe.

Ansonsten sind die finnischen Städte eine Mischung aus mittelalterlichen Relikten und postmoderner Zweck-Architektur, Hafenromantik und Naturverbundenheit. Die finnische Gesellschaft gilt als liberal und (im Gegensatz zu manchen skandinavischen Nachbarn) sehr europafreundlich.

Das zeigt sich vielerorts: In der autonomen Region Åland (Å =  ein offenes “o” wie in “Norden”) leben Schweden und Finnen in friedlicher Koexistenz. D.h. in den Straßen und Schulen sind beide Sprachen gleichberechtigt. Zwar kann es Ihnen in Helsinki auch schon einmal passieren, dass Sie auf deutschsprachige Finnen treffen, doch im übrigen Teil Finnlands genügt Englisch.

Ebenso offen präsentiert sich die finnische Sub- und Pop-Kultur-Szene. Da es, gemessen an der Größe des Landes, recht wenige Live-Clubs gibt, bekommen Konzertbesucher häufig mehrere Interpreten unterschiedlichster Richtungen zu sehen: Metal trifft auf Techno, Humppa (Polka) auf Punk-Rock, Tango auf Jazz etc.

Sprachkurse Finnisch

Nur, wenn Sie länger als drei Monate in Finnland leben bzw. arbeiten wollen, sollten Sie wenigstens grundlegende Kenntnisse der Landessprache besitzen. Da Finnisch allerdings weder dem germanischen noch dem romanischen Sprachkreis angehört, ein ehrgeiziges Vorhaben.

Im Zuge von Währungsunion und Eurovision Songcontest ist Finnland im Laufe der letzten Jahre aber immer mehr ins mitteleuropäische Bewusstsein gerückt. Daher finden unerschrockene Sprachbegeisterte auch immer häufiger entsprechende Kursangebote: In Online-Seminaren und Präsenzunterricht, im Selbststudium oder mit einem Lehrer (z.B. an der örtlichen VHS).

Tipp: Die Deutsch-Finnische Gesellschaft (DFG) listet in ihrem Forum “DFG-Portal” bundesweite stattfindende Finnisch-Sprachkurse des laufenden Semesters (wird ständig aktualisiert).

Für Ihr Vorhaben wünschen wir jetzt schon: Paljon onnea ja hyvää matkaa!

Weiterführende Links

Visit Finland – Deutschsprachige Seite zu Finnland-Reisen
Verträglich Reisen.de
– Informatives zu Ländern, Transfers und Umwelt
Easy Voyage – Wissenswertes zu Regionen und Aktivitäten in Finnland
Reiselinks – Linksammlung zu Finnlandreisen und Touren durch Finnland
DFG – Sprachkurse und Aktivitäten für Finnland-Fans, Reiserabatte für Mitglieder
Tarvataan Taas – die wichtigsten Redewendungen und Vokabeln auf Finnisch