Pearl Index und natürliche Verhütungsmethoden

Bildquelle: immfocus studio / Shutterstock.com

Auch, wenn Studium und Elternschaft sich nicht zwangsläufig ausschließen müssen – für meisten Studenten steht während der Hochschulzeit vor allem die berufliche Qualifikation auf dem Zettel. Familie und Kinder sind häufig erst für die Zeit nach dem Examen geplant. Damit das auch so bleibt, ist es wichtig, zu verhüten.

Dafür gibt es eine mittlerweile Vielzahl an Methoden und Mitteln – und alle haben ihre Vor- und Nachteile. Welches die richtige für Sie ist, können wir natürlich nicht sagen. Die gängigsten stellen wir hier vor. Doch vorab ein bisschen Grundlagenwissen:

Was ist der Pearl-Index?

Die wohl entscheidende Frage bei der Entscheidung für oder gegen eine Methode ist “Wie sicher ist diese Verhütung?” Um das beurteilen zu können, hat sich der sogenannte “Pearl-Index” etabliert. Entwickelt wurde er vom amerikanischen Genetiker Raymond Pearl.

Er beruht auf dem statistischen Wert ungewollter Schwangerschaften, wenn 100 Frauen eine Verhütungsmethode 12 Monate lang anwenden. Das heißt: Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer das Mittel. Zur Orientierung:

Natürliche Verhütungs-Methoden

Ungeschützter Sex hat einen Pearl-Index von 85, Kondome (je nach Anwendung) einen Pearl-Index von 0,2 bis 4. Das heißt: 85 von 100 Frauen werden schwanger, wenn sie ein Jahr lang nicht verhüten, aber höchstens vier, wenn ein Kondom im Spiel ist.

Irgendwo dazwischen liegen die Maßnahmen, die allein auf Mutter Natur vertrauen. Doch um wirklich vor einer ungewollten Schwangerschaft sicher zu sein, bedarf es der Kontrolle. Daher sind natürliche Verhütungsmethoden eher selten zu empfehlen. Hier die gängigsten:

  • Coitus Interruptus / Coitus Reservatus

Klar, im “Eifer des Gefechts” kann es schon mal passieren, dass man nachlässig wird. Wenn das Blut in den Schritt schießt, fällt das Denken schwer (das gilt übrigens für alle Beteiligten). Doch damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese leidenschaftlichen Minuten auch ungewollte Konsequenzen mit sich ziehen.

Wird der Akt trotz aller Bedenken kurz vor dem Grande Finale unterbrochen (lat.: “interruptus”) oder der Samenerguss gänzlich zurückgehalten (lat: “reservatus”), ist das nicht nur frustrierend, sondern auch riskant, was die Folgen angeht.

Denn schließlich reichen schon kleine Mengen unkontrollierter Spermien vor dem Orgasmus (sog. “Sehnsuchtströpfchen”) aus, um schwanger zu werden. Nach Pearl wird diese Methode mit 4 bis 18 bewertet. Darum besser: Erst denken, dann Spaß haben.

Kalendermethode (Knaus-Ogino)

Die Knaus-Ogino-Methode wurde benannt nach den Ärzten Hermann Knaus (1892 – 1970) und Kyusaku Ogino (1882  – 1975). Sie beruht auf der Tatsache, dass Frauen nicht jeden Tag schwanger werden können. Schließlich ist eine Eizelle nach dem Eisprung nur sechs bis zwölf Stunden befruchtungsfähig.

Außerdem können Spermien im Schnitt nur drei bis vier (höchstens sechs) Tage überleben. Dazu bedarf es allerdings einer genauen Dokumentation des weiblichen Zyklus’. Daher wird sie auch Kalendermethode genannt.

Richtet man sich strikt danach, ist ein ungehindertes Sexualleben ausschließlich an diesen Tagen möglich. Dieses Vergnügen ist allerdings nur ein relatives, denn Stress, Umweltfaktoren und Erkrankungen können schließlich auch die Menstruation verändern.

Die Kalendermethode hat einen Pearl-Index von 9, gleichbedeutend mit: “Finger weg!”.  Sinnvoll ist sie allerdings, wenn Sie (im umgekehrten Fall) die beste Zeit berechnen wollen, um auf natürlichem Wege schwanger zu werden.

Symptothermale Verhütung

Dabei handelt es sich -streng genommen- um die Kombination aus zwei Verhütungssystemen: a) der Temperaturmethode und b) der “Billings-Methode”. Die Eigenschaften dieser Methoden bzw. wie sich beide ergänzen können, erläutern wir im Folgenden:

Temperaturmethode

Im Zentrum der Temperaturmethode steht die sogenannte “Basaltemperatur”, d.h. die Körpertemperatur am Morgen, direkt nach dem Aufwachen. Zwischen dem Eisprung und der ersten Mentruation ist die Basaltemperatur im Schnitt einen halben Grad Celsius höher als sonst.

Um die Temperaturmethode zur Verhütung einzusetzen, erfordert es viel Zeit und Disziplin. Vorausgesetzt, sie führen jeden Tag Buch, benötigen die meisten Frauen rund ein Jahr, um ihre Temperaturkurve lesen und einschätzen zu können.

Schließlich spielen auch andere Faktoren (Krankheit, Stress, Zeitpunkt) in die Tagestemperatur hinein. Pearl-Index: 0,8 bis 3.

Billings-Methode

Ähnlich protokollarisch geht die Billings-Methode vor (benannt nach dem australischen Neurologen John Billings). Allerdings wird hier nicht die Temperatur gemessen, sondern Menge, Farbe und Konsistenz des Zervikalschleims.

Dabei gilt: Je höher der Östrogenspiegel, desto mehr, heller und dicker wird auch der Zervikalschleim (Dauer: 2 – 3 Tage). Allerdings kann es selbst bei sorgfältiger Buchführung zu Unregelmäßigkeiten im Hormonhaushalt kommen:

Der Eisprung kann zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden, ebenso kann einer zweiter Eisprung nicht ausgeschlossen werden. Auf der Pearl-Skala steht Billings allerdings mit 15 nicht gerade als zuverlässige Verhütungsmethode dar.

Ebenso wie die Temperatur- und die Kalendermethode eignet sich die Billings-Methode vielmehr, um den richtigen Zeitpunkt für eine natürliche Schwangerschaft zu errechnen.

Symptothermale Methode

Kombiniert man nun beide Methoden (Temperatur und Billings) lassen sich zahlreiche Daten zu Eisprung und fruchtbaren Tagen sammeln. Dadurch steigt statistisch auch die Zuverlässigkeit bzw. sinkt die Chance, trotz eines “unfruchtbaren” Tages schwanger zu werden.

Vorausgesetzt, Sie haben nur an “sicheren” Sex, bleiben aber ansonsten enthaltsam, sinkt der Pearl-Index bei Anwendung der symptothermalen Methode auf 0,4.

Weiterführende Links

Onmeda – Ratgeberportal zu Verhütung, Gesundheit und Wellness