Rankings – Wegweisend zur Wahl der richtigen Uni?

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Jedes Jahr stellen sich Tausende (angehende) Abiturienten dieselben Fragen: “Was soll ich bloß studieren?”, und vor allem: “Wo soll ich studieren?” In der Heimat (günstig zu wohnen) oder lieber in einer anderen Stadt? Wenn weiter weg: Im Inland (wahrscheinlich einfacher) oder im Ausland (wegen der Karriere)?

Orientierung versprechen die ebenso regelmäßig veröffentlichten Hochschul-Rankings. Hitlisten weltweit führender Hochschulen. Doch, nützen Rankings wirklich desorientierten Studienbewerbern bei der Ortswahl?

Internationale Rankings

Zumindest, wenn es um internationale Charts geht, muss die Antwort “nein” lauten. Denn zum Einen lenken zum Beispiel das “ Shanghai-Ranking“, das “QS World University Ranking” oder das “Times Higher Education World University Ranking” die öffentliche Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die ohnehin schon weltweit bekannten Elite-Unis (u.a. Harvard und MIT, Oxford und Cambridge).

Damit dienen sie in erster Linie dazu, den weltweiten Ruf zu manifestieren – und ganz nebenbei auch, die Auflagen der einschlägigen Magazine zu steigern.

Zum Anderen orientieren sich die Untersuchungen zum Beispiel an der Anzahl von Nobelpreisen, dem Ruf der dortigen Wissenschaftler oder den Gehältern der Alumni in Industrie und Wirtschaft. Die Arbeit einzelner wissenschaftlicher Fakultäten bleibt indes weitgehend unberücksichtigt.

Deutsche Rankings

Damit sind potenzielle Studienbewerber so schlau wie zuvor. Abgesehen davon: Ein aussagekräftiger Vergleich internationaler Unis ist kaum möglich. Schließlich klaffen doch zu große Unterschiede zwischen den Hochschulsystemen einzelner Länder.

Das mag vielleicht auch einer der Gründe sein, warum deutsche Unis in den internationalen Exzellenz-Listen kaum stattfinden. Im Shanghai-Ranking von 2012 jedenfalls konnten sich mit (TU und Uni) München, Heidelberg und Freiburg gerade mal vier deutsche Hochschulen platzieren.

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

Doch auch hierzulande gibt es zahlreiche Tabellen, die die Verdienste von Hochschulen miteinander vergleichbar machen wollen. Zu den bekanntesten Rankings in Deutschland zählt das des Centrums für Hochschulentwicklung (kurz: CHE). Es wird regelmäßig zu Semesterbeginn in der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlicht. Es beurteilt dabei nicht die Hochschule insgesamt, sondern einzelne Fächer. Allerdings sei selbst das nach Ansicht der Listen-Kritiker nicht möglich.

Auch die Willkürlichkeit, mit der die Stichproben genommen würden, seien fragwürdig. Wegen dieser und anderer methodischer Mängel riefen bereits renommierte Unis und einzelne Fakultäten zum Boykott des Rankings auf.

Handelsblatt

Nicht anders erging es den Machern des Rankings im Wirtschaftsmagazin Handelsblatt. Es berücksichtigt beispielsweise, wieviele Forschungsbeiträge das Lehrpersonal einer Uni veröffentlicht hat. Das führte unter anderem zum Boykott-Aufruf durch viele Fachkräfte, die sich auf ihre öffentlich wahrnehmbare Produktivität reduziert fühlten.

Auch der Aufwand, um die Daten für das Ranking zusammenzustellen, sei nach Meinung vieler Unis nicht tragbar. Folge: Große Hochschulen wie Köln oder Leipzig nehmen nicht mehr teil, Hamburg entsagt sich derartigen Erhebungen total.

Weitere Quellen

Dem aufmerksamkeitsfördernden Ranking-Trend folgen mittlerweile auch weitere Nachrichten- und Wirtschaftsmagazine in Deutschland,  darunter

Nicht zuletzt wegen unterschiedlicher Maßstäbe kommen diese Quellen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Folge: Eine zuverlässige Aussage über “gute” oder “schlechte” Unis ist damit allein auch nicht möglich. Wichtiger als der formale Tabellenplatz für die Hochschulstadtwahl sind unter anderem kompetente Beratungsgespräche für Interessenten vor Ort.

Schließlich ist beispielweise die Zahl der Absolventen in Führungspositionen nur ein Aspekt des Hochschulprofils. Aber auch die bestplatzierte Uni im Curriculum bedeutet weder Job-Garantie noch persönliche Eignung für ein Fach, geschweige denn Spaß am Studium an sich.