Schreibtipps für die Bachelorarbeit

Ob Sie Ihr WG-Zimmer renovieren oder Ihre Bachelor-Arbeit schreiben, stets läuft es auf dasselbe hinaus: Eine gründliche Vorbereitung ist die halbe Arbeit. Was im einen Fall das Abkleben der Türrahmen ist, sind im anderen Gliederung, Stil und Zeit-Management. Mit diesen Tipps sollte auch das leicht von der Hand gehen:

Durch Seminararbeiten haben Sie bereits Übung im Verfassen wissenschaftlicher Texte. Doch bei der Bachelorarbeit herrscht ein ganz besonderer Anspruch. Sie bildet den Schlussakt im Bachelorstudium und zählt circa 20 Prozent in die Gesamtnote. Mit ihr können Sie Ihre wissenschaftliche Qualifikation unter Beweis stellen.

Das richtige Thema und der passende Betreuer

Suchen Sie sich ein Thema aus einem Bereich aus, der Sie ernsthaft interessiert. Schließlich müssen Sie sich noch längere Zeit damit auseinandersetzen. Achten Sie gleichzeitig darauf, dass die Quellen- und Literaturlage gut zu überblicken ist. Als weiteres Auswahlkriterium können Sie sich vorab einen groben Überblick verschaffen, ob die Literatur vor Ort verfügbar ist.

In der Regel haben Sie die freie Wahl, wer Ihr Betreuer und damit auch Erstgutachter werden soll. Wählen Sie im Idealfall jemanden aus, bei dem Sie bereits erfolgreich eine Arbeit eingereicht haben, der sich für Ihr Thema interessiert und mit dem Sie gut kommunizieren können.

Erstellen Sie einen Terminplan

Je nachdem, was und wo Sie studieren, sieht die Prüfungsordnung zwischen zwei und sechs Monaten für das Verfassen einer Bachelor-Thesis vor. Dementsprechend sollten Sie die einzelnen Abschnitte der Arbeit zeitlich einteilen. Die eiserne Regel  lautet: 20 Prozent Recherche + 30 Prozent Lektüre + 50 Prozent Schreiben.

Ganz wichtig ist, zu jedem Abschnitt einen Zeitpuffer einzuplanen. Denn selten läuft alles glatt. Zu bedenken ist z.B., dass es gerade bei der Literaturrecherche zu unangenehmen Überraschungen kommen kann, wenn ein Werk schon entliehen ist.

Das Überziehen der einzelnen Schritte geht zu Lasten des folgenden. Halten Sie sich deswegen daran – egal, wie weit Sie zum Ende des jeweiligen Zeit-Abschnitts sind.

Recherchieren Sie sorgfältig

Nichts geht über eine sorgfältige Recherche im Zuge der wissenschaftlichen Arbeit. Konsultieren Sie die vom Betreuer genannten Werke und ergänzen Sie sie um aktuelle Forschung. Der übliche Suchweg geht über Fachportale und Datenbanken im Netz, Fachzeitschriften und Literaturverweise in Fußnoten und Bibliographien (s. Tipps zur Literaturrecherche).

Lesen Sie Aufsätze und Bücher zunächst quer bzw. überfliegen Sie sie – es ist nicht nötig alles gelesen zu haben. Viel wichtiger ist es, Prioritäten zu setzen und die Grundlagenwerke sowie die aktuellen Dispute zu kennen. Nutzen Sie Rezensionen, um Ihre Perspektive zu erweitern.

Arbeiten Sie strukturiert

Eine gute Gliederung ist wie ein Gerüst: Sie verleiht Ihrem Gesamtwerk äußere Form und Struktur. Sie können sich gedanklich daran festhalten und entlangtasten. Sie hilft, den Überblick zu behalten, wenn Sie Gefahr laufen, den inhaltlichen Faden zu verlieren.

Eine gut gegliederte Arbeit wird auch Ihren Prüfern die Arbeit erleichtern – und das schlägt sich maßgeblich in der Note wider. Das Naheliegende und “Einfache” ist hier oftmals die richtige Wahl. Verzichten Sie nach Möglichkeit auf gewagte Gedankensprünge und umständliche Exkurse. Machen Sie sich also im Vorfeld Gedanken, welche Punkte Sie dringend behandeln wollen

Die Arbeit sollte folgende Abschnitte enthalten:

  1. Deckblatt – Nach den Vorgaben des Prüfungsamtes.
  2. Inhaltsverzeichnis – Mit sinnvollen Ober- und Unterkapiteln; die Kapitel sollten sich in ihrer Länge grob entsprechen.
  3. Einleitung – Stellen Sie Ihr Thema vor und erklären Sie die weitere Vorgehensweise und Fragestellung.
  4. Hauptteil – Handeln Sie logisch nachvollziehbar die für Ihre Argumentation wichtigen Themen und Beispiele ab.
  5. Schluss /Fazit – Zuletzt resümieren Sie die Ergebnisse aus Ihrem Hauptteil und führen Sie sie zur logischen These der Arbeit. Im Idealfall wird die Einleitung hierbei elegant aufgegriffen.
  6. Bibliographie – Achten Sie auf ein sauberes Literaturverzeichnis.

Klarheit und Logik wahren

Achten Sie darauf, klar und verständlich zu schreiben. Drücken Sie sich lieber mit mehreren kurzen Sätzen aus als in einem Bandwurmsatz. Je klarer der Satzbau, desto besser der Lesefluss. Und je flüssiger sich Ihre Arbeit liest, desto wohlwollender wird die Beurteilung.

Hinterfragen Sie immer wieder den logischen Aufbau Ihres Textes: Sind manche Teile eventuell zu ausführlich geraten? Fehlt ein Stück in der Argumentationskette?

Ein häufiger Fehler ist es z.B., Sachverhalte, die durch die Lektüre sehr vertraut geworden sind, in der eigenen Arbeit nicht mehr ausführlich zu erklären.

Stützen Sie die Argumentation immer mit Beispielen – damit veranschaulichen Sie Ihre These und gestalten den Text lebendiger.

Beachten Sie die Formalitäten

Fußnoten und eine Bibliographie gehören ebenso zu einer wissenschaftlichen Arbeit wie der Fließtext selbst. Wer den wissenschaftlichen Anforderungen im Fachbereich nicht genügt, läuft Gefahr, bei der Benotung trotz vorbildlich formulierter Ergebnisse herabgestuft zu werden.

Dazu gehört vor allem die korrekte Zitierweise. Es ist alles andere als ratsam, fremde Erkenntnisse als die eigene auszugeben bzw. aus Bequemlichkeit auf die korrekte Angabe zu verzichten. Darüber hinaus benutzen Prüfer mittlerweile Software zur Enttarnung von Plagiaten.

Vertrauen Sie also lieber auf sich selbst: Achten Sie auf ein gesundes Maß von eigenen Gedanken und korrekt angeführten Zitaten.

Kurz vor der Abgabe

  • Korrekturlesen: Planen Sie Zeit ein, Ihre Arbeit gegenlesen zu lassen. Der beste Freund ist dabei selten der beste Ratgeber, da es ihm schwer fallen dürfte, Sie streng zu korrigieren. Nehmen Sie lieber ein bis zwei Kommilitonen, die in Grammatik und Orthografie und dem Fach vertraut sind. Vergessen Sie dabei nicht das Deckblatt, die Fußnoten und die Bibliographie. Gleichen Sie auch die einzelnen Kapitelüberschriften nochmal mit dem Literaturverzeichnis ab. Hier schleichen sich oft Leichtsinnsfehler ein.
  • Das gedruckte Werk prüfen – Am besten die Arbeit als PDF ausdrucken lassen – so werden Sonderzeichen etc. richtig übernommen. Dann heißt es zu prüfen: Stimmen die Seitenzahlen, wurde auch nichts falsch geklebt oder sind Grafiken / Bilder unleserlich geworden?

Motivationstipps

  • Führen sie sich vor Augen, wie weit Sie in Ihrem Studium bereits vorangekommen sind. Sehen sie die Bachelor-Thesis als Kür weniger als Pflicht.
  • Belohnen Sie sich ab und an für einen erledigten Abschnitt oder ein Kapitel o.ä. Etwa mit einem schönen Essen oder einem Kinobesuch.
  • Planen Sie immer Pausen ein. Gehen Sie zwischendurch an die frische Luft, machen Sie Sport oder treffen Sie Freunde auf einen Kaffee. Danach arbeitet es sich wieder leichter.
  • Wechseln Sie mal den Ort und verbarrikadieren Sie sich nicht von der Außenwelt: Arbeiten Sie z.B. in der Bibliothek oder in einem Café. Oder bei schönem Wetter draußen auf dem Balkon.

Weiterführende Links

  • Besser Schreiben lernen (pdf Ratgeber von Aurel Gergey) – man schließt von der Qualität der Formulierungen auf die Qualität des Inhalts. Einige der wichtigsten Stil-Grundsätze im Überblick.
  • die Schreibwerkstatt der Zeitschrift Unicum