Single sein, Glück allein?

Bildquelle: ESB Basic / Shutterstock.com

Der eine ist Single, weil er es so will. Der andere will es zwar nicht, kann es aber auch irgendwie nicht ändern. Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen ist da der Alltag. Studium und Job versetzen viele Singles gar nicht erst in Flirtlaune. Kontakte zu Freunden, Bekannten und der Familie wollen schließlich auch gepflegt werden.

Für Mr. oder Mrs. Right bleibt da eh kein Platz. Selbst, wenn er oder sie vor einem stünde – wir würden es wahrscheinlich nicht merken. Frustriert durchforsten wir das Internet. Doch das macht es nicht besser.

Zu anspruchsvoll?

Im Gegenteil: Dank Online-Dating und Sozialnetzwerkerei haben wir theoretisch zwar alle Möglichkeiten. Ganz praktisch aber verlieren wir inmitten dieses Angebots schnell die Übersicht. Und dann war da noch das mitleidige Doppeldate mit dem befreundeten Pärchen und irgendeiner total “netten” Single-Freundin der Bekannten. Aber das verläuft letzten Endes auch, nun ja,  ganz “nett” .

Bleibt noch die Erkenntnis: “Ich bin einfach zu anspruchsvoll”. Tatsächlich ist es gerade diese (theoretisch) unendliche Auswahl und das andauernd diskutierte Männer-Frauen-Thema, die einen nur schwer zufrieden stellen.

Während die Kriegsgeneration noch stringente Lebensläufe und klare Rollenmodelle kannte, verwischen diese Strukturen zusehends: Moderne Frauen brauchen keinen Ernährer mehr.

Sie sorgen für sich selbst, studieren MINT-Fächer und machen Karriere in der Forschung.  Männer hingegen interessieren sich für Mode, benutzen Feuchtigkeitscreme und  bekennen sich zu Gefühlen.

Sogar Fußballprofis präsentieren sich heutzutage wie Posterboys von Jugendzeitmagazin: Sie tragen stylische Frisuren, posieren mit Sixpack und bringen Duftkollektionen auf den Markt. Die Folge: Verwirrung an allen Fronten.

Anspruchsdenken jenseits der Realität. Ein Problem vor allem von Akademikern. Männer ohne Ecken und Kanten, Frauen mit Bizeps und Masterabschluss. “Einfach nur” Glück zu Zweit erscheint unerreichbar. Vorerst zumindest.

Flucht nach vorn: Selbstverwirklichung

Also hilft nur noch die Flucht nach vorn: Selbständigkeit steht auf dem Plan. “Ich brauche niemanden, um glücklich zu sein.” Und überhaupt: Kompromisse eingehen? Geschenke, Urlaub, Rechenschaft ablegen? Nein, danke.

Stattdessen hat man endlich wieder Zeit für sich, für die eigene Selbstverwirklichung und für die Freunde. Feiern, bis der Arzt kommt, Flirten als gäbe es kein Morgen. Das alles ist als Paarhälfte nicht möglich.

Ok, die meisten Menschen in Ihrem Bekanntenkreises sind bereits vergeben, der Rest hat schlicht das falsche Geschlecht. Aber Sie könnten (!) Leute kennenlernen, wenn Sie wollten. Jederzeit. Obwohl: Das Studium fordert einen Großteil Ihrer Aufmerksamkeit. Und was an Zeit übrig bleibt, verbringen Sie zwischen anderen Minijobbern in der Kabine eines Callcenters.

Attraktivität

Früher oder später machen sich Selbstzweifel breit: “Bin ich zu unattraktiv?” Doch kein Schönheits-Chirurg kann bewirken, was wahre Attraktivität ausmacht: Ein positives Selbstbild. Klar, die Resonanz von außen kann als Katalysator für das Gefühl dienen, selbst etwas wert zu sein.

Doch am Ende des Tages ist man als Single (meistens) allein. Um auf die Dauer nicht von der Bestätigung anderer abhängig zu sein, sollten sich Singles vor allem auf sich und die positiven Seiten ihres eigenen Lebens konzentrieren.

“Irgendwann, wenn du gar nicht damit rechnest, steht er (oder sie) vor Dir”, ist ein gut gemeinter Satz von Freunden, den vor allem Langzeit-Singles nicht mehr hören können. Dennoch hat er einen wahren Kern.

Schließlich wirkt das Gefühl der Zufriedenheit mit dem Ist-Zustand, die Sicherheit, eigentlich niemanden zu “brauchen” besonders anziehend auf das bevorzugte Geschlecht. Wie sonst ließe es sich erklären, dass man scheinbar immer dann die größten Chancen hat, wenn man gerade wieder in einer Beziehung steckt?

Von daher: Tun Sie, wonach Ihnen der Sinn steht. Gehen Sie zum Beispiel auf Reisen oder in einen Verein. Machen Sie den Sport, den Sie schon immer machen wollten. Haben Sie vielleicht sogar aus Rücksicht auf Ihre letzten Beziehung darauf verzichtet?

Dazu besteht jetzt kein Grund mehr. Doch, was immer Sie tun: Bleiben Sie in Bewegung und halten Sie die Augen offen. Nur so ist es möglich, dass aus dem Glück allein bald wie ein Glück zu zweit werden kann.

Singleportale im Internet