Sprachreisetrends: Wer? Wohin? Wie lange?

Seit Jahren schon steigt die Zahl derer, denen der Fremdsprachenunterricht im Inland nicht mehr ausreicht. Immer mehr Deutsche zieht es ins – mehr oder weniger exotische – Ausland, um neben dem intensiven Erlernen der jeweiligen Fremdsprache auch die dazugehörige Kultur kennen zu lernen.

In regelmäßigen Abständen befragt der 1977 gegründete Fachverband deutscher Sprachreiseveranstalter (FDSV) Sprachreiseanbieter in Deutschland, um Trends im Sprachreisemarkt darstellen zu können. Auf der Grundlage der Befragung vom Februar 2006 unter 152 Anbietern von Sprachreisen ergibt sich folgendes Bild:

Sprachen und Ziele

Geschätzte 160.000 Sprachreisende bildeten sich 2005 laut FDSV im Ausland fort. Im Vergleich zu den Zahlen von 2001 ist das ein Anstieg von rund 14 Prozent. Nach wie vor ist Englisch mit 73,03 Prozent (2001: 72,18 Prozent) die mit Abstand führende Sprache.

Als Reiseziel dominiert Großbritannien mit rund 29 Prozent, gefolgt von Malta mit 27,35 Prozent. Weit abgeschlagen sind die USA (4,54 Prozent), Kanada (3,47 Prozent), Australien (2,64 Prozent), Irland (2,72 Prozent), Südafrika (2,03 Prozent) und Neuseeland (1,21 Prozent), was nicht zuletzt mit den vergleichsweise hohen Reisekosten zu erklären ist.

Die zweitwichtigste Sprache ist weiterhin Spanisch. 2005 belegten knapp 14 Prozent der Sprachreisenden einen Spanischkurs, der sie vorwiegend nach Spanien, aber auch nach Lateinamerika führte. Als zweite romanische Sprache liegt Französisch mit einem Anteil von rund acht Prozent vor Italienisch (rund vier Prozent), wobei Französisch hauptsächlich in Frankreich gelernt wurde.

Die Karibik oder der französischsprachige Teil Kanadas wurden nur selten gebucht. Italienisch wurde ausschließlich in Italien gelernt.

Im Schnitt 2,45 Wochen

Die Aufenthaltsdauer in den unterschiedlichen Ländern betrug im Schnitt 2,45 Wochen, wobei Aufenthalte in Kanada mit durchschnittlich 4,45 Wochen die längsten, Reisen nach Italien mit 1,81 Wochen die kürzesten Sprachreisen waren. Online gebucht wurden knapp 20 Prozent der Sprachreisen.

28 Prozent der Sprachreisenden sind Schülerinnen und Schüler, was einer Gesamtzahl von rund 45.000 entspricht. Wie zuvor führt auch 2005 Englisch das Feld der beliebtesten Sprachen an. Knapp 95 Prozent der Schülerinnen und Schüler nutzen die Zeit im Ausland, um ihre Englisch-Sprachkenntnisse zu vertiefen. Schüler (bis einschließlich 17 Jahre) blieben allerdings überwiegend in und um Europa, während es vor allem die Erwachsenen weiter in die Ferne zog. Auch Sprachreisen nach Italien, Spanien und Lateinamerika wurden ebenfalls hauptsächlich von Erwachsenen unternommen.

Erwachsene: Bedarf nach zweiter Fremdsprache

Während die Schülersprachreisen fast ausschließlich englischsprachige Länder als Ziel haben, fächern sich die von Erwachsenen bereisten Länder breiter auf, so dass immerhin rund 30 Prozent eine Sprachreise in nicht-anglophone Länder buchten. Die Vermutung liegt daher nahe, dass durch das fortschreitende Zusammenwachsen der europäischen Länder auch der Bedarf nach einer zweiten und dritten Fremdsprache gestiegen ist und auch in Zukunft steigen wird, um auf dem globalen Arbeitsmarkt bestehen zu können.

Weiterführende Links

www.fdsv.de – Fachverband deutscher Sprachreise-Veranstalter