Studium abbrechen – die richtige Entscheidung treffen

In kaum einem anderen Land scheitern so viele Studenten an ihrem Studium, wie in Deutschland. Jeder Dritte bricht an deutschen Universitäten sein Studium ab. An den Fachhochschulen ist es jeder Vierte.

Laut dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung liegen die höchsten Abbruchsraten in den Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik und Ingenieuren – dicht gefolgt von den Geisteswissenschaftlern.

Dabei handelt es sich oft nicht um “faule” Studenten. Als Grund für den Studienabbruch werden häufig Geldsorgen, mangelnde Motivation und zu hohe Anforderungen angegebenen. Bevor es jedoch zu einem Studienabbruch kommt, sollte eine eingehende Analyse der eigenen Beweggründe kommen. Oft gibt es eine Lösung, die eine Umorientierung im Studium ermöglicht.

Falsches Studienfach – Anfängerfehler bei Neueinsteigern

Vor allem Studenten, die frisch von der Schule kommen, entscheiden sich häufig für das falsche Studienfach. Wer Germanistik studiert, setzt den Lehrstoff gern mit dem Unterrichtsstoff der Schule gleich und wird enttäuscht, wenn statt aufregender Aufsätze stundenlange Analysen klassischer Analysen Seminarinhalte prägen. Dann geht die Motivation schnell flöten.

Eine falsche Entscheidung bei der Wahl des Studienfachs bedeutet nicht das Ende. Sobald die Einsicht da ist, im gewählten Studienfach falsch zu sein, ist der Gang zum Studienberater unumgänglich. Parallel dazu hilft es, sich in andere Seminare und Vorlesungen reinzusetzen und so vielleicht das Studienfach des Lebens zu finden.

Tipp: Bei einer falschen Wahl des Studienfaches ist schnelles Handeln gefragt, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Der Gang zum Studienberater und eine genaue Analyse der Ist- und Soll-Situation sollten die Entscheidung für oder gegen einen Studienabbruch erleichtern. Ein Studienabbruch sollte hier die letzte Wahl sein. Sinnvoll ist es auch, sich nach Alternativen umzusehen, d. h. nach ähnlichen Studiengängen, die dem Traum näher kommen. Durch die Anerkennung bereits erbrachter Leistung im Erststudium wird ein weiterer Zeitverlust vermieden.

Mangelnde Leistung – wenn der Selbstanspruch zu hoch ist

Versagensängste oder mangelnde Leistungen zählen zu den häufigsten Gründen für einen Studienabbruch. Dabei zählen die im Studium erworbenen Noten im Berufsleben nur halb so viel, wie so manch Student glaubt.

Scheitern Studenten am zu hohen Lernpensum schaffen Lerngruppen oder Seminare zum Lernmanagement schnelle Abhilfe. Nur wenige Studenten scheitern aufgrund mangelnden Verständnis’ am Lernstoff.

Tipp: Durchhalten lautet die Parole. Seminare und Lerngruppen helfen bei Lernproblemen und erleichtern die Bewältigung des enormen Lernpensums an Universitäten und Fachhochschulen.

Wer das Gefühl hat, vom Professor absichtlich gefiltert zu werden, sollte zum Studentenbeirat oder zur Studienberatung gehen. In vielen überfüllten Studiengängen haben es sich Professoren auf die Flagge geschrieben, die Zahl ihrer Studenten durch Filtern zu reduzieren.

Studium den Eltern zuliebe – auf geht’s in ein neues Leben

Der Druck aus dem Elternhaus ist nicht selten hoch. Die Kinder sollen das Leben der Eltern führen, das sie aus verschiedenen Gründen selbst nicht führen. Dann wird der eigentlich geborene Geisteswissenschaftler eben schnell zum Betriebswirt oder der leidenschaftliche Denker zum Arzt.

Das sind keine guten Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss eines Studiums. Wer sich nur den Eltern zuliebe für ein Studienfach entschieden hat und unglücklich damit ist, sollte so schnell wie möglich die Notbremse ziehen und das machen, worauf er Lust hat oder das seinen Talenten entspricht. In diesen Fällen macht ein Fortbestand des Studiums nur wenig Sinn. Mangelnde Motivation und Begeisterung führen früher oder später zum Abbruch des Studiums.

Tipp: Studenten, die in das Studium “gezwungen” wurden, sollten sich so schnell wie möglich umorientieren. Selbst, wenn das Studium erfolgreich beendet werden sollte, wird es früher oder später zu einem Bruch mit dem gewählten Beruf kommen – verschwendete Lebenszeit, Energie und Geld.

Studienabbruch – was nun?

Viele Studienabbrecher schämen sich für ihr “Versagen”. Dabei ist ein Abbruch des Studiums kein Versagen, sondern ein Zeichen von Stärke. Wichtig ist, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sich schnell neu zu orientieren.

Dabei steht eine ehrliche Analyse im Vordergrund. Was möchte ich? Was kann ich? Welche Möglichkeiten habe ich, um das zu tun? Praktika, Volontariate, Auslandsreisen oder Schnupperkurse können dabei helfen, sich über die berufliche Zukunft klarer zu werden.

Seit Anfang 2015 existieren regionale Projekte, die es Studienabbrechern erleichtern sollen, den Weg in einen Beruf zu finden. Dazu gehört unter anderem, sich bei der Wahl einer dualen Ausbildung Leistungen aus dem Studium anrechnen zu lassen, und so die neue Ausbildungszeit zu verkürzen. Unter Umständen kommen Studienabbrecher sogar gleich zu einem Berufsabschluss, wenn sie bereits weit im Studium fortgeschritten waren, das inhaltlich identisch zum neu gewählten Beruf ist.

Wird eine völlig neue berufliche Richtung eingeschlagen, sollte von Anfang klar sein, dass das diesmal der richtige Weg ist.

Tipp: Studienabbrecher sollten sich bei der Wahl des neuen Berufs klar über ihre eigenen Wünsche und Träume sein und alle verfügbaren Hilfen in Anspruch nehmen. Neben Praktika, Auslandserfahrungen und Schnupperkursen helfen auch Gespräche mit dem Studienberater, Freunden oder der Familie dabei, sich über die berufliche Zukunft klar zu werden. Viele Unternehmen bieten ein Probearbeiten an, bei dem sich potenzielle Lehrlinge und Arbeitgeber kennenlernen und so einschätzen können, ob es das richtige ist. So wird noch mehr Zeitverlust vermieden.

Geldsorgen im Studium – häufiger Grund für einen Abbruch

Nicht wenige Studenten arbeiten neben dem Studium, um Wohnung und Unterhalt finanzieren zu können. Das macht sich natürlich auch im Studium bemerkbar. Wer mehr arbeitet, als studiert, sollte über seine finanzielle Situation nachdenken und Hilfen in Anspruch nehmen. Staatliche Hilfen wie Wohngeld oder ein zusätzlicher Bildungskredit können die finanzielle Situation unter Umständen entlasten.

Tipp: Wer an Geldmangel leidet und viel neben dem Studium arbeiten muss, sollte sich über staatliche Hilfen informieren und sie nutzen. Das können Wohngeld, aber auch ein Kredit bei der Hausbank oder ein Bildungskredit sein.

Anmerkung: Dank des dritten Hochschulpakts zur Finanzierung zusätzlicher Studienplätze könnte sich ohnehin einiges an deutschen Universitäten und Fachhochschulen ändern. Künftig sollen mehr Gelder dafür eingesetzt werden, um Studienabbrüche zu vermeiden. Dazu gehören eine individuelle Förderung der Studenten und die Erforschung von Ursachen für das Scheitern im Studiengang. Das ist vor allem für Studiengänge mit hohen Abbruchraten wie Mathematik und Ingenieure extrem wichtig.

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