Studium mit Kind: Albtraum oder Alltag?

Kind oder Karriere: Während für den Großteil der Studenten die Familienplanung noch kein Thema ist, gehört der Spagat für manche zum Alltag. Fünf Prozent der Studierenden in Deutschland haben ein oder mehrere Kinder. Doch wie passen Studium und Baby zusammen? Ist der frühe Nachwuchs ein Hindernis oder vielleicht doch eher eine Bereicherung? Tatsache ist, dass sich viele nicht bereit fühlen, eine derartige Doppelbelastung unter einen Hut zu bringen. Dabei ist die Kinderbetreuung an den meisten Universitäten heutzutage gut ausgebaut, und auch für finanzielle Unterstützung gibt es zahlreiche Anlaufstellen. Die Hochschulen bemühen sich zunehmend um Familienfreundlichkeit. Bei genauerer Betrachtung ist die Studienzeit also gar kein schlechter Zeitpunkt, um schwanger zu werden.

Betreuung

Auch wenn es oftmals bereits Wartelisten gibt, die eine frühzeitige Anmeldung erfordern: Die Suche nach der passenden Betreuung sollte man zunächst entspannt angehen. Von der Krabbelgruppe über die Kindertagesstätte bis zum Kindergarten gibt es diverse Möglichkeiten. Viele Hochschulen bieten eine Betreuung direkt auf dem Campus an, wodurch Mama oder Papa weite Wege vermeiden können. Außerdem sind die Betreuungsmöglichkeiten oft nicht auf Werktage beschränkt, so dass auch am Wochenende – zum Beispiel in Prüfungsphasen – in Ruhe gelernt werden kann. Ferner sind universitätseigene Betreuungseinrichtungen subventioniert und somit günstig oder sogar komplett kostenlos.

Finanzierung

Um sich eine angemessene Kinderbetreuung und alle weiteren Kosten wie Essen und Kleidung leisten zu können, haben Studierende das Anrecht auf finanzielle Unterstützung. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Zuschüsse zu bekommen, wie Eltern-, Kinder-, Betreuungsgeld, Kinderzuschlag, Mutterschaftsgeld, Unterhaltsvorschuss oder BAföG. Wer sich eine Kinderbetreuung trotzdem nicht leisten kann, erhält teilweise auch Nachlässe oder Unterstützung durch das Jugendamt. Eine erste Anlaufstelle für konkrete Informationen liefert das jeweilige Studentenwerk.

Psychologische Hilfe

Auch ohne Kind sind viele Studenten mit den Anforderungen des Studiums bereits überfordert. Die Doppelbelastung durch ein Baby macht studentische Eltern noch anfälliger für Versagensängste, Schlafstörungen oder Depressionen. Wen diese Belastung quält, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Auch bei einer ungeplanten oder ungewollten Schwangerschaft kann die psychologische Beratung helfen, das Pro und Contra einer Entscheidung abzuwägen. Viele Hochschulen und Studentenwerke bieten eine kostenlose psychologische Betreuung an.

Weitere universitäre Unterstützung

Die erste Anlaufstelle für Studierende, die ein Kind erwarten oder mit dem Gedanken daran spielen, ist meist die Beratungsstelle der Universität. Hier finden die meisten Fragen eine Antwort: Bietet die Uni genug Unterstützung? Lässt der Studiengang genug Freiräume? Neben diesen Beratungsangeboten werden oftmals auch Informationsveranstaltungen, Gesprächsrunden mit anderen studentischen Eltern, Spieletage für Eltern und ihre Kinder oder Seminare angeboten. Derartige Veranstaltungen sind eine gute Gelegenheit, andere Studenten kennenzulernen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Informationen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es beim Beauftragten für die Gleichstellung von Männern und Frauen. Das Studentenwerk kann bei der Suche nach einer kinderfreundlichen oder vergünstigten Wohnung behilflich sein und bietet teilweise auch eine eigene Kinderbetreuung an.

Für konkrete Probleme im Studium oder im Studiengang ist allerdings der Professor oder das Lehrpersonal im Allgemeinen der richtige Ansprechpartner. In der Regel zeigen sie großes Verständnis für die schwierige Studiensituation und Toleranz beim Verlegen von Prüfungen oder der Abgabe von Hausarbeiten.

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