Facebook – Gefahr für den Arbeitsplatz?

Zwar führen unter anderem Missbrauch von Alkohol, Arbeitsverweigerung und unerlaubte Nebentätigkeiten die Liste der “verhaltensbedingten Kündigungen” an. Doch gemessen an der Häufigkeit der Nachrichten sind virtuelle Affronts gegen Chef und Firma als Begründung auf dem Vormarsch. Facebook macht’s möglich.

24, 87 Millionen. So viele registrierte Mitglieder zählte im November 2012 laut Statista das größte Online-Netzwerk Facebook (gelesen: 27.11.2012, 12:55 h). Und zwar allein aus Deutschland. Über den Planeten verteilt sind es ca. 900 Millionen.

Komplizierte Freundschaften

Das heißt: Fast 25 Millionen Bundesbürger, die die Welt an Ihren täglichen Erlebnissen teilhaben lassen, miteinander diskutieren und sehenswerte Bilder und Videos veröffentlichen oder kommentieren. “Die Welt”, das waren im Oktober 2010 laut dem Medienmagazin Horizonte 249 direkte Kontakte in den deutschen “Freunde”-Listen.

Darunter natürlich “echte” Freunde, Bekannte und Verwandte, ebenso (ehemalige) Klassenkameraden und Kommilitonen, und immer häufiger auch Arbeitskollegen und Vorgesetzte. Mit anderen Worten: Dank der sozialen Netzwerke vermischen sich einzelne Lebensbereiche zusehends.

Dass dadurch Komplikationen auftreten können, liegt geradezu auf der Hand. Schließlich kann jeder Ihrer “Freunde” –  also auch Ihr Chef – alles lesen, was Sie in Ihrem Profil preisgeben. Und nicht jedem “gefällt” das, was er auf diese Weise erfahren muss.

So wurde Arbeitnehmern bereits aufgrund ihrer Religion, politischen Einstellung oder ihrer sexuellen Orientierung  gekündigt.

Private Informationen

Natürlich sind derlei Kündigungsgründe rechtlich nicht zulässig. Doch wer mit dem Privatleben seiner Mitmenschen ein Problem hat (und die Position, unliebsame Mitarbeiter aus dem Betriebs-Umfeld zu entfernen) findet, wenn er will, auch einen anderen Anlass für eine offiziell begründbare Kündigung. Der eigentliche Stein des Anstoßes: Facebook.

Flurfunk

Eine anderes Problem: Allzu redselige Kollegen. Durchaus unbedarfte Unterhaltungen in der Teeküche oder in der Mittagspause, z.B. darüber, was auf Ihrer Facebook-Seite zu lesen war (oder was irgendwer meint, was aus Ihren Äußerungen herauszulesen ist).

Der “Flurfunk” und die blühende Phantasie der neuen Mitwisser sorgt schließlich dafür, dass Ihr Posting an die falschen Instanz gerät. Ein Prinzip, das als “stille Post” schon auf  so manchem Kindergeburtstag für Stimmung gesorgt hat. Folge: Kündigung wegen Facebook.

Freunde von Freunden

Damit nicht genug. Wussten Sie zum Beispiel,dass selbst Facebookmitglieder, mit denen Sie nicht befreundet sind, Ihre Veröffentlichungen lesen (und zu Ihrem Schaden weiter verbreiten) können?  Sobald einer Ihrer Facebook-Freunde den Post „liked“, erfahren es auch dessen Freunde. Also auch zum Beispiel Ihr Chef, obwohl Sie ihn gar nicht in Ihrer eigenen Kontaktliste führen.

Dumm nur, wenn Sie sich zu unüberlegten Lästereien über ihn hinreißen lassen oder ihrer Wut über den abgelehnten Urlaubsantrag ausgerechnet bei Facebook Luft machen. Erfährt Ihr Vorgesetzter davon (und sei es nur, weil einem gemeinsamen Kontakt Ihr Beitrag “gefällt”), fällt Ihr nächster “Urlaub” unter Umständen länger aus als Ihnen lieb ist.

Wirtschaftlicher Schaden

Doch der geradezu naive Umgang mit Meinungen und vertraulichen Informationen hat noch weitreichendere Folgen: Schließlich wird im schlechtesten Fall nicht nur der Vorgesetzte als Person gekränkt, sondern auch das Image der Firma geschädigt. Dieser Verlust des Ansehens kann auf lange Sicht zum Niedergang eines Unternehmens führen. Und das betrifft letzten Endes alle Angestellten des Unternehmens.

Außenwirkung

Ist nämlich der gute Ruf erst einmal angekratzt, erfahren davon -Facebook sei dank- auch Geschäftspartner, Kunden oder Job-Bewerber. Die Folge: Unbesetzte Positionen und sinkende Umsätze, denen -um die Verluste wieder auszugleichen- nicht selten mit Entlassungen begegnet wird.

Die Praxis beweist es

Ein extremes Beispiel für die unheilvolle Verquickung von Facebook und Arbeit stammt aus Frankreich: Ein Angestellter postete eine negative Nachricht über seine Arbeitsstelle auf seiner Facebook-Pinnwand. Diese Nachricht war für “Freunde von Freunden” sichtbar – in diesem Fall: auch den Vorgesetzten. In der Konsequenz wurde nicht nur der Verfasser umgehend entlassen, sondern auch die Mitarbeiter, die ihm mit ihren Kommentaren zustimmten.

Das ist, wie bereits erwähnt, ein Extrembeispiel. In Deutschland ist es hingegen üblich, Mitarbeiter wegen ihrer schädigender Facebook-Aktivitäten zunächst abzumahnen. Doch im Einzelfall ist es durchaus möglich, dem Mitarbeiter fristlos zu kündigen.

Eine schädigende oder beleidigende Mitteilung auf Facebook lässt zumindest auf einen Vertrauensbruch gegenüber dem Arbeitgeber schließen. Ist das Verhältnis zwichen Mitarbeiter und Chef ohnehin belastet, begründet die jederzeit nachvollziehbare Veröffentlichung schließlich die Kündigung.

Hinweis: Die Optionen “bearbeiten” und “löschen” machen Einträge nicht unbedingt ungeschehen. Schließlich kann jeder, der Ihr Profil einsehen kann, kompromitierende Fotos aus Ihrer Galerie auf seiner eigenen Festplatte speichern oder Screenshots von Profil und Pinwand anfertigen. Damit bekommt er auch belastendes Material gegen Sie in die Hände.

Erst denken, dann posten

Doch derlei Komplikationen lassen sich im Vorfeld verhindern. “Erst denken, dann posten”, ist das Gebot der Stunde. Das heißt: Achten Sie bereits beim Erstellen Ihres Profils darauf, wie Sie sich präsentieren.

Fragen Sie sich stets, was Ihren Chef oder Ihre Arbeitskollegen stören könnte (!).

Einstellungssachen

Löschen Sie Fotos, an denen andere Anstoß nehmen könnten. Dazu zählen Bilder von ausgelassenen Partys ebenso wie freizügige Schnappschüsse aus dem Urlaub. Verzichten Sie darauf, Ihre  politische, religiöse Einstellung und/oder sexuelle Orientierung kundzutun, wenn Sie sich nicht hundertprozentig sicher sind, dasss Sie die arbeitsrechtlichen oder gesellschaftlichen Konsequenzen dafür tragen können.

Freundschaften

Nehmen Sie keine privaten Freunschaftsanfrage von Menschen an, denen Sie nicht auch Ihr Schlafzimmer zeigen würden. Alternative: Legen Sie bei jeder Freundschaftsanfrage fest, wieviel Sie demjenigen offenbaren. Das heißt: Ordnen Sie Ihre bestehende Kontakte in Gruppen ein, z.B. “Arbeit”, “Verein”, “Familie”. Damit fällt es leichter, festzulegen, welche Personen welche Postings lesen dürfen.

Virtuelle Abstinenz als Lösung?

Die konsequenteste Form, sich gegen die problematische Verschmelzung von Privat- und Berufsleben zu wehren, ist natürlich, gar nicht erst an sozialen Online-Netzwerken teilzuhaben. Doch, wer sich auf das Spiel mit Postings, “Likes” und “Shares” einlässt, sollte wenigstens bewusst mit Informationen und öffentlichen Mitteilungen umgehen.

Auf diese Weise erhalten Sie sich den Spaß am virtuellen Austausch mit Freunden und Kollegen, bewahren sich aber ein Mindestmaß an Privatsphäre.

Dieser Artikel wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von jobwiwi, der Jobbörse für Wirtschaftwissenschaftler.