Wartezeit verkürzen, Wartezeit überbrücken

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Wenn Sie sich um einen Studiengang mit Zulassungsbeschränkung  bewerben, sollten Sie sich auf eine Wartezeit einstellen. Selbst mit einer akzeptablen Abinote. Man weiß ja nie, wie gut die Konkurrenz ist. Zwar ist es möglich, diese Zeit zu verkürzen. Doch falls nicht, können Sie sie genauso gut sinnvoll nutzen.

Die Wartezeit bezeichnet grundsätzlich die Semester (Halbjahre) zwischen Allgemeiner Hochschulreife und dem voraussichtlich ersten Semester. Sie ist eines der Kriterien, nach denen die Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de) Studienplätze vergibt.

Berufsausbildung vor dem Studium

Weitere sind zum Beispiel der Abiturschnitt (20 Prozent), Härtefall-Anträge (2 Prozent) und die Auswahl durch die Hochschulen (60 Prozent). In der Praxis heißt das: Wessen Abitur länger zurückliegt, bekommt bei der Vergabe nach Wartezeit seinen Studienplatz eher als jemand, der erst kürzlich seinen Schulabschluss erlangt hat.

Gründe für eine Ausbildung

Das gilt vor allem für (Human-, Zahn-, Tier-) Medizin, aber auch zum Beispiel für Pharmazie. Wer zwischen Abitur und Studium eine anerkannte Ausbildung (gem. § 19, Abs.3, Nr. 3 Berufsausbildungsgesetz) macht, kann sich diese Zeit als Verbesserung anrechnen lassen.

Am besten natürlich etwas thematisch Verwandtes. Dabei können Sie Ihre Studienpläne festigen oder in ihrem gelernten Beruf bleiben. Sie bekommen eine Ahnung, in welchem Bereich Sie sich (beruflich oder akademisch) spezialisieren wollen.

Sie knüpfen Kontakte zu Berufspraktikern. Außerdem können Sie einen Teil des ersten eigenen Geldes “auf die hohe Kante legen”. Damit schaffen Sie sich ein finanzielles Polster für den Studienstart. Und selbst für den Fall, dass Sie sich hinter nach etwas völlig Anderem umsehen:

Eine absolvierte Ausbildung macht sich nach wie vor gut im Lebenslauf. Wenn Sie Medizin studieren wollen, empfehlen sich u.a.

  • Krankenschwester / Krankenpfleger
  • Rettungssanitäter / Rettungsassistent
  • Biomedizinischer Assistent

Alternativen

Doch nicht immer verlaufen Lebensläufe völlig stringent. Daher können Sie ebenso eine andere Ausbildung auf die Wartezeit anrechnen lassen.

  • Staatliche / Staatlich anerkannte Berufsfachschule / Fachschule

Neben Berufen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (Physiotherapie, Heilerziehungspfleger) können Sie sich hier auch für technische, künstlerische oder kaufmännische Berufe qualifizieren: z.B. Goldschmied, Mediengestalter, Wirtschaftsinformatik, Touristikassistent usw.

  • Ausbildung im einfachen oder mittleren Dienst der Verwaltung

Die einfache Verwaltungslaufbahn (Besoldungsgruppe A 1 bis A 5) ist heutzutage ein berufliches Auslaufmodell (bedingt durch die Privatisierung von Post und Bahn). Verbreitet ist dagegen der mittlere Verwaltungsdienst (Besoldungsgruppe A 5, häufiger: A 6 bis A 9), z.B. in der Kommunalverwaltung, bei der Polizei oder beim Zoll.

  • Berufs- oder Zeitsoldat (Unteroffizier / Offizier)

Zeitsoldaten stehen mindestens 24 Monate und maximal 20 Jahre (Sanitäter: 25 Jahre) im Dienst der Armee. Die meisten Zeitsoldaten verpflichten sich für zwei, vier, sechs, acht, zwölf oder fünfzehn Jahre. Nach frühestens drei Jahren können Zeitsoldaten einen Antrag auf Übernahme in ein Dienstverhältnis als Berufssoldat stellen.

  • Ausbildung im Ausland

Auszubildende können gem. Berufsbildungsgesetz einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren. Es besteht allerdings kein Rechtsanspruch darauf. Stimmt der Arbeitgeber einer „Ausbildungsmaßnahme außerhalb der Ausbildungsstätte” zu, sollte sie höchstens ein Viertel der gesamten Ausbildung dauern.

D.h. bei einer dreijährigen Ausbildung sind bis zu neun Monaten im Ausland drin. Da die Ausbildung nicht unterbrochen wird, werden Auszubildende weiterhin bezahlt. Wichtig ist nur, dass sich die im Ausland vermittelten Inhalte an der deutschen Ausbildung orientieren. Von der Berufsschulpflicht sind die Azubis in dieser Zeit befreit, erklären sich aber bereit, versäumten Stoff nachzuholen.

Wartezeit überbrücken

Wer im Bewerbungsverfahren (trotz eventueller Wartezeiten) abgelehnt wird, erhält nicht -wie so oft vermutet- im kommenden Jahr einen besseren Platz auf der Warteliste. Vielmehr entscheidet in jedem Jahr die allgemeine Konkurrenzsituation aufs Neue darüber, wieviele Interessenten zum Studium zugelassen werden.

Dementsprechend ist es möglich, dass Sie im einen Jahr knapp scheitern und im Jahr darauf genommen werden. Ebenso können Sie im Folgejahr im Gesamtvergleich weiter abgeschlagen sein als zuvor. Da hilft nur beharrliches Bewerben oder sinnvolle Überbrückung der Wartezeit.

  • Parkstudium?

Sich vorübergehend in irgendeinem (zulassungsfreien) Fach einzuschreiben, bringt in bezug auf die Wartezeiten in der Regel gar nichts. Im Gegenteil: Lt. hochschulstart.de werden diese Semester sogar abgezogen, statt sie zu Gunsten des Bewerbers hinzuzurechnen.

Wie wäre es stattdessen mit…

  • Work And Travel

Ein Jahr lang durchs Ausland touren und selbstständig für den Lebensunterhalt sorgen – das ist das Prinzip von Work & Travel. Abhängig von den jeweiligen Einreisebestimmungen können Sie theoretisch überall arbeiten und reisen.

Neben Australien und Neuseeland zieht es die meisten Reisenden in die USA und nach Kanada. Aber auch die asiatischen Länder (u.a. Japan und Singapur) sind stark im Kommen. Während dieses Jahres verdingen Sie sich in ganz unterschiedlichen Job-Gelegenheit: Gastronomie, Tourismus, aber auch Büro und Handwerk.

Sofern Sie zwischen 18 und 30 (Kanada: 35) Jahren alt sind, benötigen Sie eine gute Portion Abenteuerlust benötigen Sie ein Working-Holiday-Visum für das entsprechende Land und grundlegende Sprachkenntnisse. Schließlich können Sie fernab der Zivilisation nicht immer davon ausgehen, dass jeder Englisch spricht.

  • Arbeit auf einer Farm oder Ranch

Wenn Sie lieber an einem Ort bleiben wollen, ist vielleicht “Farmstay” (Ackerbau) oder “Ranchstay” (Viehzucht) das richtige für Sie? Je nach Vereinbarung (und voraussichtlicher Wartezeit bis zum Studium) bleiben Sie zwischen drei und sechs Monaten im Ausland.

Sie leben und arbeiten Sie bei einer Gastfamilie, werden von ihr verpflegt und zuweilen auch bezahlt. Sie können Ihren Farm-/Ranch-Aufenthalt sogar mit einem Sprachkurs kombinieren. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Agenturen, die sich auf die Kombinationen von Arbeit und Auslandsaufenthalt spezialisiert haben.

Sie unterstützen Sie in Ihrem Vorhaben, achten darauf, dass alle Reise-Formalitäten eingehalten werden, vermitteln Kontakte zu Betrieben und zu anderen Reisenden.

  • WWOOF

Die “Öko-Variante” der Farm- oder Ranch-Arbeit heißt “Wwoof” (Kurzform von: “Worldwide Opportunities on Organic Farms”). Dahinter steht ein internationaler Verein, der weltweit Saisonkräfte an Bio-Bauernhöfe vermittelt. Neben allem anderen ist hier vor allem Idealismus gefragt, denn “Wwoofer” bekommen grundsätzlich Kost und Logis, aber keinen Lohn.

  • Summer Session

Wenn Sie statt der frischen Landluft lieber Campus-Luft schnuppern möchten, sollten Sie es mit Summer Sessions versuchen. Dabei handelt es sich um fünf- bis zehnwöchige Spezial-Programme von Unis im In- und Ausland. Sie belegen zwei oder drei dieser Sommer-Kurse, leben und lernen gemeinsam mit anderen Studenten.

Um an Summer Sessions teilzunehmen, sollten Sie in der Regel 18 Jahre alt oder älter sein. Einige Hochschulen ermöglichen aber auch schon 15- oder 16-Jährigen den Zugang zu ihren Sommerkursen.

Ebenso ist ein abgeschlossenes Abitur wünschenswert, aber nicht immer Voraussetzung. Häufig reicht es auch schon, den Besuch der Sekundarstufe II nachzuweisen.

Tipp: Je nachdem, wo Sie hinterher studieren wollen, können Sie sich die Summer Sessions sogar anrechnen lassen. Nähere Auskünfte erteilt die jeweilige Hochschule.

  • Praktikum im Ausland

Das gilt auch für Praktika im Ausland. Wenn Sie jetzt schon wissen, was Sie studieren wollen (oder es noch herausfinden möchten) – warum arbeiten Sie nicht gleich in einem Bereich, der Ihnen innerhalb weniger Monate einen kompakten Eindruck von Ihrem zukünftigen Berufsfeld vermittelt?!

Als Mediziner in spe bietet sich zum Beispiel ein Pflegepraktikum an. Engagierte Kräfte werden auf der ganzen Welt benötigt. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Ziel-Uni oder der Stiftung für Hochschulassung über die genauen Modalitäten zur Akkreditierung.

  • Sprachkurse im Ausland

Sprachkurse sind wohl die intensivste Verbindung von Freizeit und Bildung. Sie reisen ins Ausland, um dort gemeinsam mit anderen am Sprachunterricht teilzunehmen. Dass Sie Ihre frisch gewonnenen Kenntnisse nicht wieder vergessen, dafür sorgen Alltag und Freizeit-Aktivitäten in ihrer unmittelbaren Umgebung.

  • Summer Jobs / Summer Camps

Wer in einem Summer Camp (dt. “Sommerlager”) im Ausland jobbt, ist rund um die Uhr von Kindern und Jugendlichen während ihrer Ferien umgeben (z.B. USA, Kanada).

Sie arbeiten dabei einige Wochen als Gruppenleiter oder im Team mit dem Küchen- und Wartungspersonal. Keine Frage: Das ist mit viel Verantwortung verbunden. Es bringt aber auch viel Spaß. Schließlich können Sie dabei Ihre ganz individuelle Talente (Sport, Musik, Kunst, Küche, Handwerk) einfließen lassen.

Wenn Sie diese Zeit ins Studium einbringen wollen, sind Sie bei pädagogischen oder sozialen Studiengängen auf der sicheren Seite. Ob und wie Sie als künftiger Mediziner Ihren Job im Summer Camp auf Ihr Studium anrechnen lassen können, klären Sie am besten mit der Ziel-Hochschule.

Und je nachdem, wieviel Zeit Ihnen noch bis zum ersten Semester (oder bis zum Ablauf Ihres Visums) bleibt, können Sie Ihr Gastgeberland hinterher auch selbst bereisen.

Zeitpunkt entscheidend

Ob und wie sich Ausbildungszeiten und Abitur auf Ihre Wartezeit auswirken, hängt unter anderem von dem Zeitpunkt ab, zu dem Sie beruflich / dienstlich tätig waren bzw. Abitur gemacht haben:

  • vor dem 16. Januar 2002 = Ein Semester pro Halbjahr (max. vier Halbjahr)
  • nach dem 15. Januar 2002 = Verbesserung von zwei Halbjahren
  • nach dem 15. Juli 2007 = Keine Verbesserung

Alle Ausbildungszeiten sind grundsätzlich nachzuweisen. Das gilt nicht für Bewerber, die sich an einer der folgenden Einrichtungen für ein Studium qualifiziert haben:

  • Abendgymnasium
  • Kolleg
  • VHS (neue Länder)
  • Berufsoberschule (Bayern oder Baden-Württemberg)

Hinderungsgründe

Wer krankheitsbedingt ein Schuljahr wiederholen musste, kann ebenfalls seine Wartezeit verbessern. Das gleiche gilt für die Pflege und Betreuung von Angehörigen:

  • Kindern unter 18 J. (leiblich/adoptiert) oder
  • anderen Verwandten
  • Dauer: mind. 9 Monate, max. 3 Jahre

Ebenso kann seine Wartezeit bis zum Studium verbessern, wer einen Dienst (anstelle einer Ausbildung) absolviert hat. Das gilt für Bundeswehr, Zivildienst bzw. Bundesfreiwilligendienst (BuFDi) ebenso wie für:

Freiwilligenarbeit

Freiwilligenarbeit ist der Oberbegriff für alle Möglichkeiten, karitative Arbeit im Ausland zu leisten. Die Träger-Organisationen senden Teilnehmer (Alter: 18+) für eine begrenzte Zeit (ca. 6 bis 12 Monate) in prinzipiell alle Länder – innerhalb Europas, aber auch darüber hinaus.

Dabei werden Sie vom ersten Tag in die Arbeit einbezogen: In Katastrophenhilfe, Unterricht, Tourismus, Denkmal-, Tier- und Umweltschutz, Infrastruktur und Bau,  usw.

Freiwilligenarbeit ist kein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums, sondern ausschließlich freiwillig. Idealerweise ist die tägliche Arbeit von kleinen und großen Erfolgen für das Projektziel gekrönt. Darüber hinaus ist der Nutzen aber vor allem menschlicher Natur:

Im Team zu arbeiten, neue Herausforderungen zu meistern und Toleranz gehören zu den maßgeblichen Dingen, die Sie in dieser Zeit lernen. Damit erwerben Sie nebenbei viele Fähigkeiten, die künftige Arbeitgeber als “Soft Skills” schätzen.

  • Freiwilliges Soziales / Ökologisches Jahr (FSJ / FÖJ)

Die wohl bekannteste Form, Freiwilligenarbeit zu leisten, ist das Freiwillige Soziale (FSJ) bzw. Ökologische Jahr (FÖJ). Inhaltlich ist es vergleichbar mit dem ehemaligen Zivildienst.

Das bedeutet: Sie arbeiten zwischen sechs und 18 Monaten in sozialen oder umweltschützerischen Einrichtungen (Krankenhäusern, Altenheimen und Kindergärten, aber in Tierschutzvereinen, landwirtschaftlichen Betriebe oder Museen.

Um daran teilnehmen zu können, sollten Sie zwischen 18 und 27 Jahren alt sein.

  • Europäischer Freiwilligendienst (EFD)

Im Mittelpunkt steht des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD) steht natürlich das gemeinsame Lernen und Leben mit Angehörigen unterschiedlicher Kulturen. Dennoch: Als Teilnehmer bekommen Sie einen Großteil der Reisekosten erstattet (mind. 90%), Kost und Logis, ein kleines Taschengeld und ein Ticket für öffentliche Verkehrsmittel.

Und: Ein Sprachkurs ist während dieser Zeit auch noch inbegriffen (EFD). Darauf gibt die EU (Programm “Jugend In Aktion”) Brief und Siegel, den sogenannten “Youthpass”. Was drin steht, bestimmen Sie selbst.

Der Europäische Freiwilligendienst wendet sich an Menschen zwischen 18 und 25  Jahren (in Einzelfällen: zwischen 16 und 30). Erkundigen Sie sich einfach beim jeweiligen Träger der Maßnahme nach Details.

  • Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD)

Hinter dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst steht das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Er dauert zwischen sechs und 18 Monaten (meistens ein Jahr). Während dieser Zeit werden die Teilnehmer pädagogisch betreut.

Um daran teilzunehmen, sollten Sie zwischen 18 und 27 Jahren alt sein. Im Gegensatz zum FSJ und FÖJ müssen Sie sich nicht sozialversichern. Stattdessen schließen die Träger eine private Auslandskranken- und Unfallversicherung ab.

  • Entwicklungsdienst

Ähnliche wie Freiwilligendienste sind auch die Entwicklungsdienste organisiert: Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entsendet Hilfs- und Fachkrfte an Hilfsprojekte (Workcamps) im Ausland. Hauptauftraggeber der GIZ  sind verschiedene Bundesministerien (Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Auswärtiges Amt, Umwelt, Bildung und Forschung).

Wenn Sie sich die Zeit beim Entwicklungsdienst auf Ihr Studium anrechen lassen wollen, sollten Sie mindestens zwei Jahre daran teilgenommen haben.

Wo studieren?

Wer schließlich über die Stiftung für Hochschulzulassung einen Studienplatz bekommt, wird nach Möglichkeit seiner Wunsch-Hochschulstadt zugewiesen. Allerdings kann es passieren, dass für einen Ort mehr Bewerbungen eingehen als Studienplätze zur Verfügung stehen.

In diesem Fall werden einige Interessenten (vorerst) in einer anderen Hochschulstadt studieren müssen. Sollte der Wunsch nach der ursprünglichen Studienheimat nach einiger Zeit immernoch bestehen, bleibt noch der Weg über einen Studienplatztausch.

Weiterführende Links

Hochschulstart – Alles zur Studienplatzvergabe durch die Stiftung für Hochschulzulassung

Weltwärts – Projekte, Entsende-Organisationen und mehr (BMZ)
Kulturweit – Freiwilligendienst (Auswärtiges Amt)
Internationaler Jugendfreiwilligendienst – Adressen und Infos des Familienministeriums
Freiwilligenarbeit im Ausland – Umfassende Infos zu Ländern und Diensten weltweit
Go4Europe
– Ratgeber und Forum zum Europäischen Freiwilligendienst
GIZ – Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit