Berufsfelder für Geisteswissenschaftler

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In einer Zeit, in der vor allem Wirtschafts-Aspekte das tägliche Leben bestimmen, lastet auf Geisteswissenschaftlern häufig das Stigma einer Randgruppe. Folge: Ein bewerberisches Schattendasein neben wichtigen Wirtschaftswissenschaftlern und international geachteten Ingenieuren. Fatale Fehleinschätzung oder Fakt?

Grund für das geringe Ansehen sind die sogenannten “Orchideenfächer”; Spezialdisziplinen mit nur wenigen Studierenden und Lehrstühlen, und Fächer wie Christliche Archäologie, Onomastik (Namensforschung), Sprechwissenschaften oder Sorabistik (sorbische Sprache und Literatur).

Geisteswissenschaften – Was ist das?

Sensiblen Orchideen gleich sind diese Studiengänge: “schön, aber nutzlos”. Interessant für Studenten und Dozenten, aber (angesichts verschuldeter Haushalte) teuer im Unterhalt. Nicht zuletzt deshalb wird über ihren Einrichtungen der öffentliche Rotstift häufig zuerst angesetzt.

An Fächern wie Sprach- und Literaturwissenschaften (z.B. Germanistik, Anglistik, Romanistik), Philosophie, Religion oder Kommunikationswissenschaften hingegen würde keiner so schnell rütteln. Aber auch sie gehören zu den Geisteswissenschaften.

Sie alle rücken den Menschen und seine unterschiedlichen Kontexte in den Mittelpunkt, sei es Kultur, Medien, Geschichte oder Politik. Das unterscheidet die Geisteswissenschaften von anderen Forschungseinrichtungen.

Berufliche Perspektiven

Zugegeben: Die Geisteswissenschaften sind im Allgemeinen nicht so sehr auf “harte” Fakten ausgerichtet, sondern eher auf “weiche” Hintergründe. Das unmittelbare Fachwissen der Absolventen ist für viele Unternehmer daher nicht so klar nachvollziehbar.

Folglich haben es zum Beispiel Germanisten, Philosophen oder Ethnologen am Arbeitsmarkt schwerer als z.B. Ingenieure, BWLer oder Juristen. Auch im Vergleich der Gehälter schneiden sie nicht so gut ab wie die Kommilitonen aus den Massenfächern.

Soft Skills

Zu Unrecht: Schließlich erwerben Geisteswissenschaftler in den Semestern bis zum Bachelor zahlreiche Schlüsselqualifikationen (“Soft Skills”): Viele geisteswissenschafliche Studiengänge sind interdisziplinär ausgerichtet. Das versetzt Studierende in die Lage, vernetzt (d.h. über die Grenzen ihres Fachs hinaus) zu denken.

Und wo Praktika und Auslandssemester nicht zum vorgeschriebenen Studienverlaufsplan gehören, ist Eigeninitiative gefragt. Dadurch lernen Studenten schon früh, sich selbst zu präsentieren und berufliche Kontakte aufzubauen. Selbstverständlich erweitern sie das theoretische Studienwissen um die notwendige Praxiskomponenten.

Voraussetzung dazu ist allerdings, dass sich Studierende bereits während des Studiums weiterbilden. Dann aber stehen ihnen eine Vielzahl spannender Berufe offen. So führen geisteswissenschaftliche Studiengänge die Absolventen oft in Medienunternehmen, Pressestellen von Behörden, aber auch in die Erwachsenenbildung oder Unternehmensberatung.

Die Geisteswissenschaftler von heute sind die unter anderem die Redakteure, Content-Manager, Dozenten, Berater, Übersetzer und Personal-Entwickler von morgen.