Umgang mit prekären Fragen im Bewerbungsgespräch

Bildquelle: StockLite / Shutterstock.com

Die meisten Bewerbungsgespräch laufen entspannt ab – vor unbequemen Fragen ist aber kein Bewerber gefeit. Dabei geht es häufig weniger um die tatsächliche Antwort als mehr darum, wie Sie darauf reagieren. Wer prekäre Fragen im Vorfeld erkennt, den kann in der akuten Situation so schnell nichts aus der Fassung bringen.

Der vielleicht wichtigste Tipp vorweg: Suchen Sie selbst nach den Schattenseiten in Ihrem Lebenslauf, bevor es jemand anderes für Sie tut. Bruchstellen in der Biographie sind nichts Ungewöhnliches, nur sollten Sie darauf adäquat antworten können.

Unzulässige Fragen

Schließlich sind die meisten Personaler geübt im Lesen von Körpersprache. Wer also äußerlich gelassen bleibt, wo andere zu schwitzen beginnen, kann doppelt punkten. Dabei gilt: Bleiben Sie stets bei der Wahrheit. Wer eine Stelle aufgrund falscher Tatsachen ergattert, kann sie ebenso schnell wieder verlieren.

Anders verhält es sich bei unzulässigen Fragen. Dabei handelt es sich um Informationen, die in keinem offensichtlichen Zusammenhang mit der ausgeschriebenen Stelle stehen. Dazu zählen Fragen nach:

  • Familienplanung / Schwangerschaft
  • Religion / Konfession
  • Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft / Partei
  • Vermögensverhältnisse / Schulden
  • Vorstrafen
  • Privatleben / sexuelle Orientierung

In diesen Fällen entsteht Ihnen juristisch kein Nachteil, wenn Sie nicht die Wahrheit sagen. Etwas Anderes ist es, wenn diese Aspekte wichtig für Ihre Arbeit sind, z.B. die Konfession bei einem kirchlich getragen Unternehmen.

Dann sollten Sie lieber keine falsche Angaben machen – zumal es in diesem Fall spätestens mit der Lohnsteuerkarte herauskommt. In der Probezeit sind Sie jederzeit kündbar.

Stressfragen

Aber auch zulässige Fragen können auf unbequeme Antworten abzielen. Zum Beipiel, wenn Sie der Personalverantwortliche auf (unter-)durchschnittliche Zeugnisse anspricht, auf ein abgebrochenes Erststudium, eine lange “Leerzeit” zwischen Examen und Bewerbung etc.

In diesem Fall spricht man von Stressfragen: Die konkrete Antwort darauf ist oftmals gar nicht so wichtig, wie die Reaktion darauf. Wer sich in Ausreden flüchtet oder Nerven zeigt, lässt Zweifel an seiner persönlichen Eignung für die Stelle aufkommen.

Grundsätzlich sind selbst Stressfragen kein Grund zum Nervöswerden. Schließlich hat man Sie trotz dieser “Mankos” zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Wichtig: Übernehmen Sie die Verantwortung. Sie allein entscheiden, wie Ihr Leben verläuft. Also stehen Sie auch dazu. Anstatt die Schuld auf Professoren, Kommilitonen, Eltern oder Chefs abzuwälzen, räumen Sie gegebenenfalls Fehler ein.

  • Schwächen

Das gleiche gilt für die Frage nach persönlichen Schwächen. Niemand gibt im Bewerbungsgespräch gern zu, dass er welche hat – obwohl es nur allzu menschlich ist.

Wichtig: Vermeiden Sie gesammelte Phrasen aus Bewerbungsratgebern und Online-Foren. Die ewig gleichen Antworten (“Ich bin so ungeduldig”) glaubt sowieso keiner, und Alltägliches (“Ich vergesse manchmal, morgens die Zähne zu putzen”) interessiert keinen.

Besser ist es, einen ehrlichen Fehler herauszugreifen (“Ich tendiere dazu, dass…”), ihn mit einem Beispiel zu belegen (“Das zeigt sich unter anderem daran, dass…”) und -vor allem- zu erklären, was man tut, um dieser Neigung Herr zu werden. Damit präsentieren Sie sich wesentlich reifer.

  • Stärken

Ebenso wie “Warum sollten wir uns gerade für Sie entscheiden?” ist “Was können Sie für unsere Firma leisten?” eine andere beliebte Stressfrage. Dabei geht es weniger um die Motivation des Bewerbers als vielmehr um die gesunde Selbsteinschätzung seiner Fähigkeit.

Auch, wenn Prahlerei nicht gern gesehen wird: Sie sollten sich und Ihre bisherigen Erfolge nicht unter Wert verkaufen. Überlegen Sie daher im Vorfeld, was Sie beruflich und privat geleistet haben. Legen Sie diese Erfolge sachlich dar und übertragen Sie sie auf Ihren avisierten Job in diesem Unternehmen.

  •  Verhältnis zur Geschäftsleitung und Kollegen

Negative Haltungen fallen immer auf Sie zurück. Wer also nach dem Verhältnis zur ehemaligen Geschäftsleitung oder schwierigen Kollegen gefragt wird, sollte sich mit Kritik zurückhalten. Ähnliches gilt für die persönlichen Motive, die alte Firma zu verlassen.

Wichtig: Bleiben Sie loyal – selbst wenn Sie in der Vergangenheit harte Konflikte bewältigen mussten. Betonen Sie die Notwendigkeit von Kompromissen im Berufsleben.

Wer hingegen interne Spannungen leugnet, ist nicht besonders glaubwürdig. Ebenso ist ein Vorstellungsgespräch definitiv der falsche Termin, um seinem Ärger Luft zu machen.

 Weiterführende Links

Bewerbungs-Tipps – Alles Wissenswerte zum Einstieg ins Berufsleben
Focus – Wochenmagazin mit umfangreichem Karriereteil