Ein Musikinstrument lernen

“E-Gitarre?!?”, die Mutter spricht die Silben aus, als hätte man Ihr gerade eröffnet, man wolle anstelle des Studiums lieber ein Nagelstudio auf den Phillipinen betreiben. Und dann: “Lern doch lieber was Vernünftiges!” Doch unabhängig davon fragen sich viele Lernwillige: “Welches ist das richtige Instrument?”

Schließlich ist die Auswahl an Instrumenten und Klangmöglichkeiten auf dieser Welt riesengroß, angefangen beim einfachen Klangholz bis zur wuchtigen Kirchenorgel.

Vorbilder

Zumal Größe oder Popularität eines bestimmten Instruments nichts darüber aussagen, ob es gut oder schlecht, “cool” und “uncool” ist, das Musizieren zu lernen. So hadert -nach eigenen Angaben- selbst Entertainer Götz Alsmann mit den klanglichen Möglichkeiten der Triangel.

Und auch Klassik-Popstar David Garrett hatte als Geigenschüler zwischen “normalen” Jungs mit Sicherheit alles andere als eine coole Kindheit. Doch können positive Beispiele im Umfeld ganz sicher zum Mit- und Nachmachen (und vielleicht auch zum Besser-Werden-Wollen) beitragen.

So hängt es unter anderem von den Vorbildern ab, in welche Richtung man sich musikalisch entwickeln möchte. Sorgten in vergangenen Zeit u.a. W.A. Mozart oder Enrico Caruso für Zulauf bei den Musik-Dozenten, waren  später z.B. Jimi Hendrix oder Amy Winehouse der Grund, warum junge Menschen, endlich “richtig” Gitarre spielen oder singen lernen wollten.

Ebenso kann der Nachbarsjunge zum Idol werden, weil er bereits in einer Band spielt oder der große Bruder, weil er einem die ersten Akkorde auf seiner Gitarre beibringt. Dementsprechend beeinflussen die Vorbilder auch die Wahl des Instruments.

Unterricht: Musikschule oder privat?

Doch egal, ob Sie eines Tages die Werke von Gustav Mahler interpretieren möchten, von Miley Cyrus oder Metallica: Ohne Übung bleibt das größte Naturtalent in den (Wunder-)Kinderschuhen stecken.

Auf der Suche nach einem kompetenten Lehrer wenden sich viele Menschen zunächst an eine Musikschule in ihrer Stadt. Das können entweder kommunal verwaltete Einrichtungen sein oder private geführte Institute.

Wer also überlegt, ein Instrument zu lernen, orientiert sich unter Umständen an deren Unterrichts-Angebot:

Leih-Instrumente und Unterrichtskosten

Städtische Musikschulen haben üblicherweise mehrere Abteilungen: Gesang, Streich-, Blas- und Tasteninstrumente mit klassischem Repertoire ebenso wie (im weitesten) Pop-Musik.  Anfänger bekommen hier nicht nur Unterricht, sondern häufig auch Miet- oder Leih-Instrumente.

So können Sie sich an Ort und Stelle in mehreren Disziplinen ausprobieren. Und weil sie öffentlich bezuschusst werden, ist der Unterricht in kommunalen Musikschulen in der Regel günstiger. Anstatt pro Stunde oder Monat zu zahlen, entrichten Sie eine Jahresgebühr.

Doch andererseits findet in städtisch verwalteten Musikschulen – ebenso wie in allgemeinbildenden Schulen – in den Schulferien kein Unterricht statt. Das heißt, im schlechtesten Fall zahlen Sie für zwölf Monate, bekommen aber nur zehn Monate Unterricht.

Privatunterricht ist zwar üblicherweise teurer (allenfalls kostenmäßig gleichgestellt), jedoch sind die Dozenten dort im Allgemeinen flexibler, bieten Ersatz für ausgefallene Stunden an, unterrichten auch während der Schulferien etc.

Doch, wie immer, bestätigen auch hier einmal mehr die Ausnahmen die Regel. Wie teuer der Spaß letzten Endes wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

  • Instrument: Kontrabass (Instrumente ab 600 Euro) oder Gesang?
  • Ausführung: Marke oder Imitat aus Fernost? Links- oder Rechtshänder?
  • Zubehör: Kabel, Verstärker, Hocker, Saiten, Dämpfer etc.
  • Honorar des Lehrers: Musikstudent oder Profi-Musiker?
  • Niveau des Unterrichts: Blutiger Anfänger oder Examensvorbereitung?

Darüber hinaus unterscheiden sich die Angebote von Schulen und Privatlehrern durch Einzelstunden ( = effektiver) und Gruppenunterricht ( = günstiger) bzw. Unterrichtseinheiten von 60, 45 oder 30 Minuten.

Wer z.B. an einen pensionierten Musiklehrer gerät, der sich Zuhause etwas dazu verdient, kann seine Fähigkeiten gegebenfalls günstiger ausbauen, als wenn er hochqualifizierten Einzelunterricht an einem Konservatorium nimmt.

Gute Lehrer, schlechte Lehrer

Zwischen 15 und 80 Euro pro Unterrichtseinheit ist beim Instrumentalunterricht alles drin. Doch das sind in jedem Fall nur organisatorische bzw. finanzielle Aspekte. Über Qualität ist damit noch nichts gesagt.

Somit gilt auch hier: Es gibt keine guten oder schlechten Unternehmen, es gibt nur gute oder schlechte Mitarbeiter. Ob Sie Spaß daran haben, ein neues Instrument auszuprobieren (und es weiter zu lernen), ist nicht zuletzt eine Frage des Lehrers.

Ob die “Chemie” zwischen Dozent und Lernendem stimmt, ob er auf seine Schüler eingehen kann. Das betrifft die allgemeine Fähigkeit zur Motivation ebenso wie Repertoire-Wünsche und die Behandlung individueller Schwierigkeiten beim Üben.

Kontaktdaten von städtischen Musikschulen finden Sie in den Gelben Seiten oder online, z.B.

Daneben inserieren private Musikschulen  und -lehrer häufig auch im Kleinanzeigen-Teil von Tageszeitungen und Monatsmagazinen. Ebenso lohnt sich der Blick in spezielle Internet-Foren und schwarze Bretter in der Mensa.

Schnupperstunden nutzen

Auch die Tatsache, dass einige Musiklehrer die Pinnwände von Supermärkten nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen, sagt noch nichts über die Qualität des Unterrichts aus. Häufig handelt es sich dabei um Musikstudenten, die aus ihrem Können einen Nebenerjob gemacht haben, aber auch um selbständige Musiker ohne feste Anstellung bzw. offizielle Übungsräumlichkeiten.

Methoden und Kenntnisse können hingegen ebenso gut sein wie die anderer Anbieter. Doch idealerweise bieten Schulen und Lehrer ohnehin Schnupperstunden für alle Fächer an. So lässt sich relativ schnell herausfinden, ob man ein Instrument intensiver lernen möchte (bzw. ob ein anderer Lehrer an einem anderen Institut den Stoff möglicherweise besser vermitteln könnte).

Alternative: Musikferien

Was für Sprachen schon lange funktioniert, hat sich mittlerweile auch für den Instrumental-Unterricht etabliert. Musikferien sind die ideale Verbindung von Workshops und Erholung. Die Veranstalter von Musikferien bieten maßgeschneiderte Programme für alle Bedürfnisse an – Anfänger (mit und ohne Vorkenntnisse) und Fortgeschrittene, Sänger und Instrumentalisten in Bands und Ensembles.

  • Musica Viva – Ferienmusikschule seit 1993
  • Urlaub Kreativ – Von “Malen auf Sansibar” bis “Gospelchor im Münsterland”
  • Singreisen – Nützliche Adressen für Sänger und Musiker

Dabei gehören zum Beispiel auch Exkursionen häufig mit zum Programm. Andere Reisebüros legen den Freizeit-Fokus auf kulturelle Veranstaltungen: Das können Koch- oder Tangokurse sein, aber auch Wein- oder Käseverkostungen, Theaterbesuche etc.

Selbststudium

Doch zum Glück ist das Erlernen eines Instruments keine Geheimwissenschaft, die nur einem erlauchten Kreis von Eingeweihten weitergegeben wird. Vorausgesetzt, Sie können sich gut selbst motivieren, können Sie anstelle des Lehrers aus Fleisch und Blut auch eine Reihe alternativer Medien nutzen.

  • Allgemeine Lehrbücher: Instrumentalstücke mit Erläuterungen und Tipps zu Spieltechniken (häufig incl. CD oder DVD).
  • Spezielle Songbooks: Die Alben der Lieblingsinterpreten, z.T. vereinfacht arrangiert, als Partitur, mit Fingersatz und Hintergrund-Infos für Fans.
  • Online-Videos: Einzelne Songs, von Musikern anschaulich erklärt (z.B. YouTube)
  • Fernkurs : Die wichtigsten Spieltechniken, didaktisch aufbereitet von Profi-Musikern (z.B. Lecturio)

Welches Instrument Ihr nächstes wird, ist für freizeitgestresste Studierende ohne Budget für einen Musiklehrer somit auch eine Frage, welche Vorlagen zum Selbststudium er findet. Bei Gitarrennoten beispielsweise dürfte es vermutlich eine größere Auswahl an Lehrmitteln geben als für Dudelsack.

Dafür fällt es dem Sackpfeifen-Novizen gerade deswegen eventuell leichter, “geeignete” von “ungeeigneten” Lehrbüchern zu unterscheiden.

Raum zum Üben

Doch auch der Raum zum Üben hat durchaus einen Einfluss auf die Wahl des Instruments: Schließlich sind nicht alle Instrumentalisten sind in den eigenen vier Wänden wohl gelitten. Während beispielsweise Harfenistinnen oder klassische Gitarristen kaum einem Nachbarn oder Mitbewohner beim Mittagsschlaf stören dürften, ist das WG-Fan-Camp vor derZimmertür von Posaunisten, Schlagzeugern und E-Gitarristen im Allgemeinen eher dünn besiedelt.

Außerdem wird erfahrungsgemäß der toleranteste Mitbewohner wird zum nervlichen Wrack, wenn er aufs Examen zusteuert. Daher muss so mancher Nachwuchs-Jimi Hendrix zeitweise ausziehen, wenn er es zum Virtuosen bringen möchte.

Einen Proberaum finden

Allerdings sind Proberäume in wohl keiner deutschen Stadt wirklich zuviel. Viele (Musik-) Hochschulen verfügen zwar über Übungsräume, die stehen jedoch ausschließlich den eigenen Studenten zur Verfügung.

Für Gelegenheits-Mucker gibt es zum Beispiel Übungsräume, die grundsätzlich stundenweise vermietet werden. Auch Jugendfreizeitheime unterstützen zuweilen den lokalen Nachwuchs mit eigenen Proberäumen. Dort einen Raum (noch dazu: für sich allein) zu finden, ist zwar nicht leicht, doch fragen kostet nichts.

Darüber hinaus gibt es stillgelegte Fabrikgebäude, leer stehende Bunker oder Lagerhäuser, die von regionalen Musiker-Initiativen im Laufe der Jahre zu Proberaum-Zentren ausgebaut wurden. Solange die Räume einzeln abschließbar sind und es genügend Steckdosen gibt, sind die meisten Musiker auch schon zufrieden.

Dass es sich häufig um gnadenlos überteuerte Kellerlöcher handelt, die -gemessen an der Luftfeuchtigkeit- auch am Amazonas liegen könnten, nimmt der Freizeit-Rocker billigend in Kauf. Aufschluss über Ort und Ausstattung gibt auch hier das Internet, z.B.

Allerdings gerät die (globale) Internet-Suche an ihre Grenzen, wenn es um lokale und regionale Herausforderungen geht. Erfolgversprechender ist es daher, herkömmliche Lokalzeitungen und Stadtmagazine zu durchforsten.

Gut, wenn es lokale agierende Vereine gibt, die die Szene vor Ort mit allem Wissenswertem und einem Forum zum Austausch auf dem Laufenden halten. Ansonsten ist Kreativität angesagt:

Statt nach einem Proberaum, kann man ebenso gut nach Garagen, verwaisten Verwaltungsgebäuden, Spritzenhäusern, Kinos, Bahnhöfen oder sonstigen Zweck-Immobilien forschen – am Stadtrand, in Industriegebieten oder auf dem Land.

Merke: Je weiter entfernt von der Zivilisation, desto wahrscheinlicher wird es, ein Refugium für unterforderte Hobby-Instrumentalisten zu finden.

Jeder kann Musik machen

Doch eigentlich ist es egal. Tatsache ist: Musik gehört zum Leben dazu. Und das schon lang bevor es Klingeltöne und Popstars, Charts, Konzertsäle und Virtuosen gab. Musik gab es schon immer. Musik existiert, seit irgendwann einer unserer stark behaarten Vorfahren vor seiner Höhle auf einem hohlen Baumstamm herumgetrommelt hat.

Ganz ohne Unterricht und Lehrer, geschweige denn: weil ihm jemand gesagt, dass dieser hohle Baumstamm für ihn “richtig” (geschweige denn “vernünftig”) ist. Musik macht einfach Spaß und gehört wie Tanz, Theater und Malerei nachweislich zu den ursprünglichen Ausdrucksformen des Menschen.

Daher kann auch jeder, der den Drang dazu verspürt, ein Instrument lernen. Wie weit er es darauf bringt (geschweige denn: bringen will), hängt letzten Endes von jedem selbst ab.

Weiterführende Links

Welches Instrument ist das richtige? – Unterhaltsamer Selbsttest für Nachwuchs-Rocker