Osteuropa – Zwischen Neiße und Narodnaja

Bildquelle: Peter Zachar / Shutterstock.com

Einst galt Osteuropa als Heimat des “Feindes”. Viele Westeuropäer mieden die Staaten jenseits der innerdeutschen Grenze. Ein Miteinander wurde  erschwert, unter anderem von der Ost-West-Politik nach 1945 und zahlreichen Vorurteilen. Heute, fast 70 Jahre nach Kriegsende, hat sich an dieser Haltung einiges geändert.

Zum Glück. Zwar passieren heute wieder junge Deutsche die östlichen Grenzübergänge zu Tausenden. Allerdings haben vor allem diejenigen, die jedes Jahr in Kroatien und Bulgarien, Rumänien und Ungarn “einfallen”, ganz und gar friedfertige Absichten.

Party dank Perestroika

Wo in den 1940er Jahren noch Partisanen in Alarmbereitschaft standen, ist anno 2012 vor allem Party-Alarm angesagt. Tatsächlich boomt der Südosten Europas seit Perestroika merklich. Nicht nur bei der feierfreudigen Jugend.

Ebenso zieht es Kulturinteressierte und Wintersportler, aber auch Städte- und Bädertouristen ins Gebiet zwischen Neiße (dem deutsch-polnischen Grenzfluss) und Narodnaja (dem höchsten Berg des Urals). Wer des Massentourismus’ in den Alpen oder an der Nordsee überdrüssig ist, entdeckt hier noch Neuland.

Vor allem aber findet er nach wie vor günstigen Urlaub – auch wenn das allgemeine Preisniveau durch den EU-Beitritt vieler Staaten angestiegen ist. Das ergab auch eine transeuropäische Praxis-Studie des Alllgemeinen Automobilclubs Deutschlands (ADAC) aus dem Jahre 2011.

Danach bezahlt eine vierköpfige Familie auf Strandurlaub für einen vorher festgelegten Warenkorb während der Ferien im bulgarischen Sveti Konstantin rund 70 Euro weniger als in Dänemark. Auch die sogenannten “Urlaubsnebenkosten” bei Omiš (kroatische Adria) wurden in derselben Untersuchung immernoch als “günstig” bewertet.

Russland

“Glasnost” und “Perestroika” (dt. etwa: Redefreiheit und Umgestaltung) sind die entscheidenden Schlagworte, ohne die es das heutige Interesse amUrlaub in den osteuropäischen Staaten nicht gegeben hätte.

Eine politische Bewegung, die ab Mitte der 1980er Jahre vom damaligen sowjetischen Staatsratsvorsitzenden Michail Gorbatschow initiiert wurde. Dementsprechend steht Russland (bzw. die Russische Föderation, kurz: GUS) nach wie im Mittelpunkt vieler Reisen gen Osten. Mit über 17 Millionen Quadratkilometern ist das Land das größte der Erde.

Dementsprechend bieten sich dem GUS-Urlauber soviele Möglichkeiten wie sonst auf einem ganzen Kontinent: Badeurlaub an den schwarzen Stränden von Sotschi (der “russischen Riviera”), Ski-Urlaub im Kaukasus (ideal: Oktober bis April), ein Städtetrip in die Metropole Moskau (mit Besichtigung von Kreml und Rotem Platz), eine Kulturreise nach St. Petersburg (mit Besuch in der Eremitage) usw.

Polen

Doch so weit muss es ja gar nicht gehen. Auch in der direkten Nachbarschaft lässt sich hervorragend urlauben. Seit 2004 ist Polen Mitglied in der Europäischen Union. Nicht zuletzt wegen des wie vor günstigen Währungsverhältnisses (1 Euro = ca. 4 Złoty) erleben Sie während Ihres Polen-Urlaubs vieles von dem, was Sie aus anderen Ländern kennen – nur günstiger.

Das Farbenspiel des masurischen Sonnenuntergangs ist für Romantiker das, was die Toscana für Kunstliebhaber ist. Unter Freiluft-Sportlern ist die polnische Seenplatte und ihre idyllische Umgebung allerdings noch ein Geheimtipp.

Gehen Sie dort wandern, entweder zu Fuß oder mit dem Rad. Beobachten Sie während Ihres Polen-Urlaubs Tiere in freier Wildbahn, die anderswo schon (so gut wie) ausgestorben sind. Dazu gehören Wisente ebenso wie Braunbären, Wölfe oder Luchse.

Zum Segeln, Tauchen, Schwimmen  oder Kajak fahren bietet die Seenplatte Gewässer von über einem Hektar Fläche. Wintersportler tummeln sich in der hohen Tatra (Zakopane) oder im Riesengebirge, wo bereits Papst Johannes Paul II. den Abhang hinuntersauste.

Die schlesischen Beskiden (Südpolen), Ausläufer der Karpaten, erinnern manch einen an vertraute Gefilde – den Harz oder den Schwarzwald – sind aber dank der kälteren Winter länger befahrbar.

Wer auf Städtetrips aus ist, bucht seine Reise ins Herz der Republik. Allen voran die Hauptstadt Warschau, aber auch nach Danzig, Breslau, Posen oder die ehemalige Königsstadt Krakau.

Das Baltikum

Estland, Lettland und Litauen sind zweifelsfrei die “westlichsten” der ehemaligen Sowjetrepubliken. Das liegt unter anderem an der deutsch geprägten Vergangenheit Lettlands, an Estlands (sprachlicher) Nähe zu Finnland und an der historischen Verbindung Litauens zur Hanse.

Auch, wenn eine gewisse Portion hanseatischer Würde den Altstädten von Talinn (ehemals Reval) und Riga nicht abzusprechen ist: Von den Folgen der rund 50 Jahre als Teile der UdSSR erholen sich die drei Ostsee-Staaten nur allmählich.

Dementsprechend befinden sich vielerorts die touristischen Angebote noch im Aufbau. Wer aber auf massentouristisches Getümmel verzichten kann, wird im Baltikum mit bodenständigem Leben in einer einzigartigen Natur belohnt.

Tipp: Ferienhaus in Litauen

Mieten Sie ein Ferienhaus inmitten der idyllischen Umgebung des kurischen Haffs. Entsprechende Angebote finden Sie online, zum Beispiel auf Traum-Ferienwohnungen oder Ferienhausmiete.

Ein echter Geheimtipp für alle, denen Skandinavien mittlerweile zu Mainstream ist. Eine weitere lohnenswerte Reiseregion am Baltikum ist z.B. Mazirbe (lettische Westküste), zwischen Ventsplis und Kolka. Hier gedeihen die letzten Urwälder Europas.

Daher sind sie die von ihnen umsäumten Sandstrände so gut wie unberührt. Mondäner und belebter geht es hingegen in Pärnu zu. Die estnische Hafenstadt nahe der lettischen Küste beeindruckt durch weiße Sandstrände im Schutze weiter Dünen im Wechsel mit steinigen Abschnitten.

Die beste Reisezeit für das Baltikum ist der Spätsommer. Vor allem in den Küstenregionen herrschen hier milde Temperaturen bei wenig Regen. Da lässt es sich sogar noch baden. Zumindest tagsüber, denn die baltischen Abende sind kühl (selbst im Hochsommer).

Tschechien

Tschechien hatte schon während des Sozialismus einen Ruf, der das Land vom “Feind im Osten” abhob. Ein Ansehen, das nicht zuletzt auf die wechselvolle Geschichte der tschechischen Republik zwischen Habsburger Herrschaft, Deutschen im Sudetenland, Böhmen und Mähren herrührt.

Besonders die “goldene” Hauptstadt Prag zählt nach wie vor zu den beliebtesten Ziele für Städtereisen in Europa. Schließlich sind mit ihr die Namen vieler bekannter Autoren und Künstler verbunden, hinzu kommen berühmte Gebäude wie die Burg, die Karlsbrücke oder der alte Königspalast, aus dessen Fenster einst der königliche Statthalter Jaroslav Borsita Graf von Martinitz, Wilhelm Slavata und der Kanzleisekretär Philipp Fabricius gestoßen wurden. Die allgemein bekannte Folge: 30 Jahre Krieg in Europa.

Zu den relativ unbekannten Seiten Tschechiens gehören hingegen die Skigebiete im Riesengebirge. Die Schneekopppe garantiert Abfahrt-Fanatikern ein ähnliches Vergnügen wie die heimischen Alpen – nur ohne das Gedränge am Skilift.

Aber auch ohne Schnee und Eis unter den Füßen ist das Riesengebirge ein guter Tipp. Zum Beispiel für Erholungssuchende, die sich im Tschechien-Urlaub ein Ferienhaus mieten. Ebenso kommen Wanderfreunde und Mountainbiker im höchsten Gebirge des Landes auf ihre Kosten.

Wenn Sie während eines Wellness-Urlaubs einmal den Alltag hinter sich lassen möchten, werden Sie in Böhmen fündig – in den historischen Anlagen von Karlsbad, Marienbad oder Franzensbad.  Zu den beliebtesten Bade- und Schwimmzentren der Tschechei gehört der Stausee Lipno. Hier finden Sie auch zahlreiche Unterkünfte, z. B. für einen Bade- und Strandurlaub.

Slowakei

Aber auch die andere “Hälfte” der ehemaligen Tschecheslowakei ist eine Reise wert.  Ebenso wie im Nachbarstaat Tschechien warten in der Slowakei Skigebiete in der Hohen und Niederen Tatra auf Ski-Urlauber, die auf den kostspieligen Saison-Betrieb in den Alpen, im Schwarzwald oder Harz verzichten können.

Tipp: Geführte Höhlentouren in der Slowakei

Klettern Sie doch mal in den Berg, anstatt ihn hinunterzurutschen! Körperliche Fitness, Mut und Neugier vorausgesetzt, können Sie im Nationalpark Niedere Tatra unter fachkundiger Anleitung die Eishöhle Demänovska erkunden bzw. die Höhle Gombasecka im Nationalpark Slowakischer Karst.

Kulturinteressierte pilgern zu den zahlreichen Burgen und Schlössern des Landes: Zum Beispiel Schloss Altsohl, in dessen Galerie Werke von Rubens und Hogarth zu besichtigen sind. Oder Burg Čachtice, in der einst die “Blutgräfin”  Erzsébet Báthory gelebt hat.

Der größte Vorteil für Sie: Als “kleine Schwester” von Tschechien ist die Slowakei bislang vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben. Das heißt, das Land ist für Individualreisende geradezu ideal: Ob alleine oder als Duo, in kleinen Reisegruppen oder mit der Familie. Wer vom Alltag abschalten möchte, wird es in der Slowakei ganz bestimmt erreichen.

Rumänien

Bis in die 1990er Jahre hatte Rumänien mit erheblichen Image-Problemen zu kämpfen. Doch nach Ende des kommunistischen Regimes befindet sich auch die Heimat von Vlad Dracul im Wiederaufbau. Das bedeutet: Als Kulturnation mit einer jahrtausendealten Geschichte zwischen ungarischen, osmanischen und deutschen Einflüssen wird Rumänien auch für Urlauber aus dem Westen wieder interessant.

Einer der größten Flughäfen des Landes befindet sich in der Hauptstadt Bukarest. Dort angekommen lohnt sich ein Abstecher z.B. in die Altstadt, zum Parlamentspalast und das Nationaltheater. Besonders, seit der rumänische Staat sein Schienennetz ausgebaut und modernisiert hat, lässt sich das Land sehr angenehm mit der Bahn erkunden. Sei es von Bukarest aus oder von einem der anderen Flughäfen (Sibiu, Oradea, Baia Mare).

So gelangen Sie leicht in die entlegensten Regionen, zum Beispiel zum Badeurlaub ans Schwarze Meer (ideal: Juni bis September) oder zum Wintersport in die Karpaten (Dezember bis März).

Wer Einsamkeit und Natur-Erlebnis sucht, ist dagegen beim Wandern im Nationalpark Piatra Craiului besser aufgehoben. Oder in den unberührten Regionen des Donaudeltas. Wie wäre es mit einer Radreise, vorbei an Kanälen, Lagunen und Binnenseen?! Eine Stille, nur durchbrochen von den typischen Schreien der dort lebenden Krauskopf-Pelikane.

Und natürlich darf ein Trip nach Transsilvanien in Ihrem Rumänien-Urlaub nicht fehlen – zum Schloss Bran, wo einst Vlad Dracul gelebt hat. Besonders in den ländlichen Gegenden hat sich der Glaube an Vampire und andere Kreaturen der Nacht bis heute erhalten. Was wirklich dran ist? Finden Sie es doch heraus – wenn Sie sich trauen.

Bulgarien

Zu den offensichtlichen Gewinnern der osteuropäinschen Öffnung gehört Bulgarien. Die bulgarischen Seebäder (speziell: Sonnenstrand und Goldstrand) sind bei Bade- und Party-Touristen überhaus beliebt.

Kein Wunder: Schließlich finden mallorca-müde Urlauber hier mindestens ebenso malerische Buchten inclusive Olivenhainen und Zypressenwäldchen, wo klare Wellen die Strände umspülen. Ein mediterranes Klima, das zu allen möglichen Wassersportarten einlädt. Dazu eine dichte touristische Infrastruktur (z.B. die Ferienanlage Albena) mit Bars, Restaurants und Diskotheken. Und das, je nach Zeitraum und Unterkunft, schon für den halben Preis, verglichen mit den spanischen Inseln. Da will keiner mehr auf die Balearen.

Wer statt des Feiergetümmels lieber die beschauliche Ruhe der Natur genießt, wird ebenfalls in Bulgarien fündig: zum Beispiel beim Wandern im Balkangebirge, nach Musala und Maliovitsa oder den Vihren. Mit Höhen von 2700 bis 2900 Metern keine ganz leichte Angelegenheit, aber geübte Wanderer erwarten hier atemberaubende Ausblicke, stille Bergseen, berühmte Bauwerke sowie allerlei seltene Exemplaren der Pflanzen- und Tierwelt.

Ebenso bietet ein Bulgarien-Urlaub vielfältige Eindrücke für Städte- und Kulturtouristen. Schließlich befindet sich Bulgarien im Überschneidungsbereich zwischen orientalischer und europäischer Geschichte. In der Mentalität der Menschen, ihrer Städte, Gebäude und Speisen finden sich bis heute sowohl griechische, als auch türkische und alte slawische Einflüsse wieder.

Kroatien

Eine weitere “große” Partynation des Ostens ist Kroatien. Seit Langem schon gilt die kroatische Insel Pag als das “Ibiza der Adria”. Doch spätestens, seit auf Pag die Sperrstunde fallen gelassen worden ist, gibt es an der Strandpromenade von Zrce und anderen Feiermetropolen kein Halten mehr.

Doch auch für “Normalurlauber” gibt es in Kroatien jede Menge zu entdecken und zu erleben. Zu den beliebtesten Regionen für Ferien in Kroatien zählt Istrien und die Gegend um Porec – eine touristisch erschlossene Halbinsel mit Hotelanlagen, zahlreichen Möglichkeiten zum Sport und günstigen Ferienwohnungen.

Dort befindet sich auch der Ort Pula, wo sich moderne touristische Infrastruktur, malerische Badebuchten mit kristallklarem Wasser und steinerne Zeugen der letzten 7.000 Jahre ergänzen (u.a. das zu Zeiten von Kaiser Augustus erbaute Amphitheater).

Andere populäre Ferienorte in Kroatien sind zum Beispiel Krk, Cres und Baska. In Njivice kommen vor allem Familien mit Kindern auf ihre Kosten. In Punat treffen sich alljährlich zahlreiche Windsurfer, Wasserski-Fans und Taucher. Wakeboarder fahren ins benachbare Kornic.

Doch darüber hinaus schätzen auch Naturliebhaber Kroatien als eine der ökologisch am besten erhaltenen Regionen Europas. In Kroatien finden sie deshalb zahlreiche Natur- und Nationalparks. Darunter: Brijuni (Istrien), wo über 250 Vogelarten leben.

Das Tauchparadies Kornati (Norddalmatien) besticht durch seine “Kronen” – sichtbare Relikte der Kontinentaldrift und Heimat von Kormoranen und Wanderfalken. Wanderer hingegen pilgern die Krka entlang, mit ihren tiefen Schluchten und imposanten Wasserfällen (z.B. Skradinski buk, Roški slap). Von den Ruinen mittelalterlicher Verteidigungsanlagen und bietet sich eine atemberaubender Ausblick über das Krka-Tal.

Osteuropa – Ausgewählte Urlaubsangebote

Weiterführende Links

Reiselinks – Umfangreiche Linkliste zu allen Ländern Osteuropas
Mein Osteuropa
– detaillierter Osteuropa-Blog
Paradeast – Reisen zu vielen Zielen in Osteuropa
Osteuropa Infoseite – Aktuelles aus Polen, Ungarn, GUS etc.