Umweltverträgliches Reisen? (Öko)Logisch!

Wer heutzutage verreisen will, hat dazu alle Möglichkeiten. Im Prinzip ist es nur eine Frage des Geldes, wohin die Reise geht und wie lange sie dauert. Doch zu den Kehrseiten von Billigfliegern und Pauschaltourismus gehören leider Umweltschäden und wirtschaftliche Abhängigkeit der Schwellenländer.

Wer das völlig vermeiden möchte, muss wohl zuhause bleiben. Allenfalls Wandern und Campen sind drin (und abends kalt duschen). Dabei müssen sich umweltverträgliches Reisen und fantastische Ferien nicht ausschließen. Wie zeigen Ihnen, wie’s geht:

Clever packen

Ob Sie ihre Koffer mit fünf Kilogramm bepacken oder mit 20 Kilogramm, das merken Sie spätestens beim Versuch sie zu anzuheben. Sie benötigen mehr Kraft (sprich: Energie), um es von A nach B zu hieven. Das gilt auch für den Wagen, das Flugzeug etc.

Letzten Endes summiert sich schweres Gepäckgut zulasten der Umwelt. Wer von vorn herein “schlankes” Gepäck einplant, entlastet bereits beim Packen Maschinen und Motoren, die Menschen und ihr Gepäck befördern müssen.

Ganz sicher ins Gepäck gehören indes: Akkus und Ladegeräte, wiederverwendbare Plastik-Boxen und -flaschen sowie leicht zu verstauende Einkaufsbeutel. Damit vermeiden Sie bereits zuhause unnötigen Müll am Urlaubsort.

Besonders, wenn Sie weiter weg fahren, sollten Sie einen Wasserfilter einpacken. Damit sorgen Sie jederzeit für trinkbares Wasser.

Umweltfreundliche Verkehrsmittel

Wie so oft im Leben ist auch beim Urlaub die Planung bereits die halbe Miete. Anstatt auf das erstbeste Online-Angebot einzugehen, gilt es schon im Vorfeld, Route und Aufenthalt nach Öko-Gesichtspunkten zu untersuchen.

Urlaub per Fahrrad

Schon mal Urlaub zuhause gemacht? Das alternative Verkehrsmittel schlechthin ist das Fahrrad. Damit lässt sich die Heimat und – je nach körperlicher Fassung –  auch jenseitige Regionen hervorragend erkunden.

Ob als Tagesausflug, Kurzurlaub übers Wochenende oder als zweiwöchige Tour per Drahtesel. Fahrradreisen sind körperlich herausfordernd, aber günstig – und 100% emissionsfrei.

Bahnreisen

Wenn es weiter weg gehen soll, lohnt sich der Blick auf Angebote der Bahn. Zwischen Nordsee und Alpen finden sich unzählige spannende Auszeiten in den Semesterferien. Ob Strandurlaub auf Usedom, Kulturtrips nach Thüringen oder Gourmetreisen nach Rheinhessen.

Viele deutsche Urlaubsregionen haben sich auf Heimattouristen eingestellt und erwarten Sie mit einem reichhaltigen Programm aus Museen, Bädern und typischer Gastronomie.

Flugreisen

Grundsätzlich gehören Flugreisen zum schädlichsten, was man dem Planeten antun kann. So verbraucht zum Beispiel ein Flug von Bremen nach Gran Canaria rund zwei Drittel Ihres statistischen Jahresbudgets an CO2.

Daher gilt: Wenn Sie schon in ein anderes Land reisen wollen (und das per Flieger geschieht) – fliegen Sie weit und direkt, und bleiben Sie lange weg.

Sprich: Mindestens 700 km und mindestens eine Woche bzw. mindestens 2ooo km und mindestens zwei Wochen. Nur, wenn sich Aufenthalts-Dauer und Entfernung die Waage halten, ist ein derartiger Energie-Aufwand gerechtfertigt.

Darüber hinaus verbrauchen Flieger die meiste Energie beim Starten und Landen. Daher sind Nonstop-Flüge solchen mit Zwischenlandungen und Umsteigen vorzuziehen.

Unterkunft

Miet-Ferienhäuser sind sicherlich eine tolle Möglichkeit, seine Ferien ebenso privat wie komfortabel zu verbringen. In ihrer Gesamtheit haben sie allerdings zwei Nachteile: Sie beanspruchen relativ viel Platz in der Natur und verbrauchen verhältnismäßig viel Energie.

Hotelanlagen hingegen weisen in der Regel eine bessere Energiebilanz auf, außerdem sind dort häufig Menschen aus der Region angestellt (Service, Lieferanten etc.). Es muss ja nicht gleich die prunkvolle Luxus-Anlage sein. Besonders nicht, wenn die Bevölkerung in ihrer Urlaubsregion ansonsten an der Armutsgrenze lebt.

Skeptisch sollten Sie auch werden, wenn Ihr Domizil mit einer üppigen blühenden Vegetation und weitläufigen klaren Pools in einer ansonsten kargen Gegend wirbt. Der Schluss, dass die Hotelanlage dafür der “normalen” Bevölkerung und der umliegenden Natur dringend notwendiges Wasser abgräbt, liegt zumindest nah.

Informieren Sie sich lieber im Vorfeld über Öko-Ferienhäuser oder Öko-Hotels. Auch große Reise-Anbieter reagieren mittlerweile auf das veränderte Bewusstsein der Urlauber, indem sie sich beim Thema Klimaschutz vor Ort engagieren oder Unterkünfte für Ihre umwelfreundliche Unterkünfte auszeichnen.

Erkundigen Sie sich gegebenenfalls bei der Buchung direkt danach.

Vor Ort

Am Ferienort angekommen, möchte man natürlich nicht an einem Fleck bleiben. Natürlich kann man im Urlaub einen Pkw nutzen. Aber 1. ist der eben der Umwelt nicht gerade zuträglich. 2. kennen Sie wahrscheinlich die Verkehrsverhältnisse vor Ort nicht.

Mobilität

Gerade in den berühmt-berüchtigten südlichen Regionen Europas ist das nur ein zusätzlicher Stressfaktor. Und den will doch gerade in der Ferienzeit keiner haben, oder? Erkundigen Sie sich lieber nach öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort.

In manchen deutschen Regionen nutzen Urlauber Busse und Straßenbahnen kostenlos. Auch internationale Großstädte bieten mittlerweile spezielle Nahverkehrs-Tickets für Touristen an.

Touren und Expeditionen

Vermeiden Sie für Erkundungen aller Art möglichst Verkehrsmittel mit hohen Treibgas-Emissionen. Dazu gehören PKWs genauso wie Inlandsflüge, Jetski, Hubschrauber-Rundreisen, Motorboote usw. Mieten Sie sich für alltägliche Besorgungen doch Fahrräder oder unternehmen Sie einen Segeltörn oder geführte Touren zu Fuß.

Das ist wesentlich stressfreier. Außerdem hält sich so die Öko-Bilanz ihrer Ferien im Rahmen.

Auch Wanderungen eignen sich hervorragend, um die Gegend zu erkunden. Das hautnahe Naturerlebnis sorgt für einen wesentlich langfristigeren Eindruck ihres Urlaubs als der schnelle Kick vom Kitesurfen. Doch eine Bitte:

Bleiben Sie während dessen bitte auf den ausgeschilderten Wegen. Betrachten ist erlauben, doch anfassen (geschweige denn: mitnehmen) ist tabu! Das gleiche gilt übrigens auch für Tauchgänge. Halten Sie stets Abstand zu einheimischen Tieren und Pflanzen.

So sorgen Sie dafür, dass auch kommende Generationen sich an der Natur erfreuen können.

Menschenrechte und Bevölkerung

Gerade, wenn es in andere Länder geht, sollten Sie sich vorab informieren, welches Verhalten vor Ort angemessen ist. Mit einem herzlich ausgesprochenen “Prost” handeln Sie sich eventuell Ärger mit ihrem rumänischen Tischnachbarn ein. Schließlich bedeutet es in der Landessprache soviel wie “Blödmann”.

Auch sollten Sie sich in Italien nach einem Strandtag tunlichst etwas überziehen, bevor Sie eine der berühmten Kirchen besichtigen. Umgekehrt wird man Ihnen mit Achtung und sogar Gastfreundlichkeit begegnen, wenn Sie die jeweiligen Landessitten beachten.

Noch wichtiger wird der Urlaubsknigge, wenn es um Menschenrechte geht: Werden historische Straßenzüge zugunsten einer touristischen Infrastruktur abgerissen? Wie hoch die Rate von Kinderarbeit und sexuellem Missbrauch in ihrem Zielland?

Aktuelle Informationen zu diesen und weiteren Themen gibt es u.a. bei Amnesty International, dem Auswärtigen Amt und Tourism Watch.

Öko-Reisen

Noch besser, als im Urlaub auf Öko-Aspekte zu achten ist es jedoch, Natur und Umwelt zum Thema des Urlaubs zu machen: Beobachten Sie während einer Paddeltour Biber in den Mooren von Brandenburg, unterstützen Sie den WWF beim Schutz der letzten Orang-Utans in Borneo oder lassen Sie sich von Wildhüter-Azubis durch die Serengeti führen.

Gerade viele kleine und mittlere Reise-Unternehmen haben sich auf Öko-Reisen und sanften Tourismus spezialisiert.

Letzte Vorbereitungen

Alles startklar? Nun noch alle Stecker vom Netz trennen (insbesondere von Geräten, die sonst “standby” laufen) – und los geht’s. Besser noch: Mehrfachstecker mit Sicherheitsschalter verwenden und so mehrere Geräte auf einmal ausschalten.

Je nach Jahreszeit und Aufenthaltsdauer sollten Sie die Heizung vor der Abreise nicht völlig ausschalten. Ein konstante Raumtemperatur zu halten ist nämlich weniger aufwändig, als völlig ausgekühlte Räume und Wände wieder auf Wohlfühltemperatur zu bekommen.

Weiterführende Links

Nachhaltiger Urlaub – Alles Wissenswerte zu ökologisch verträglichem Reisen
Forum Anders Reisen – Verbund von Anbietern nachhaltiger Reisen
Atmosfair – Klimafreundliches Reisen und Ausgleichsprojekte
Tourism-Watch – Menschenrechte, Umwelt und Entwicklung in Schwellenländern
Auswärtiges Amt – Reise-Informationen zu Ländern, Klima und Krisen

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