Viele Wege – ein Ziel: Sprachen lernen

Wer eine Sprache lernt, kommt nicht an Grammatik und Vokabeln vorbei. Das muss jedoch nicht heißen, dass der Spracherwerb ausschließlich in Schulen, Unterrichtsräumen und an Schreibtischen stattfindet. Möchte man Kommunikation als praktisches Handeln “be-greifen”, stehen viele spannende Wege offen.

Von der Schulzeit geprägt, assoziieren viele mit dem Erlernen einer Fremdsprache volle Vokabelhefte und ungeliebte Schnelltests. Doch es geht auch anders:

Sprachreisen

Die vermutlich schönste Möglichkeit, eine neue Sprache zu lernen, ist ein Sprachurlaub. In dieser Zeit können Sie einen Sprachkurs an einer Sprachschule belegen oder als Erholungs-Kurztrip ins Ausland.

Sprachkurs im Wunschland

Möchten Sie an einer Sprachschule in Ihrem Zielland einen Sprachkurs belegen, wenden Sie sich am besten an einen renommierten deutschen Sprachreise-Veranstalter oder an eine Sprachschule direkt.

Ziehen Sie einen Sprachreise-Anbieter in Erwägung, sollten Sie darauf achten, das der Veranstalter geprüftes Mitglied im FDSV (Fachverband Deutscher Sprachreise Veranstalter) ist. Eine empfehlenswerte Sprachreisen-Agentur ist zum Beispiel Travelworks oder Sprachurlaub.de.

Gelernt wird vor Ort in einer kleinen Gruppe auf dem gewünschten Niveau. Danach stehen meistens gemeinsame Aktivitäten wie Rundfahrten oder Besichtigungen auf dem Programm. D.h. es geht längst nicht nur ums Pauken, sondern auch um das Kennenlernen fremder Länder und Kulturen.

Möchten Sie Sprachschulen direkt kontaktieren, eignet sich das Portal Language Programs wo Sie direkten Kontakt zu mehr als 750 Sprachschulen in 35 Ländern aufnehmen und Ihren Sprachurlaub selbst organisieren können.

Kurztrips ins Wunschland

Manchmal reicht auch ein Kurztrip, um die Sprachkenntnisse aufzufrischen bzw. auf ihre Alltagstauglichkeit zu testen. Durch das Stadtleben können Sie sich wahrscheinlich fast immer mit Englisch manövrieren. Beherzte Sprachenlerner wagen sich auch in ländliche Gegenden.

Tipp: Halten Sie sich an einheimische Gastronomiebetriebe und meiden Sie Touristenzentren. So verpassen Sie sich nicht nur eine linguistische Intensivkur, sondern bekommen auch die Chance, mehr über die Menschen zu erfahren, die in dem Land leben.

Sprachtandems und Lern-Communities

Zurück in Deutschland können Sie sich für weitere Unterhaltungen in der Fremdsprache einen Muttersprachler suchen. Viele Sprachschulen oder Universitäten vermitteln Kontakte zu Menschen, die im Gegenzug Deutsch lernen möchten.

Gleichgesinnte Tandempartner und Communitys findet man außerdem auf den Seiten busuu (mit interaktiven Vokal- und Sprachübungen), TandemPartners und babelyou (beide mit Option zum Videochat). (Elektronische) Brieffreundschaften vermittelt PenpalsNow.

E- und Mobile-Learning

Apropos E-Learning: diverse Software-Programme und Internetportale haben sich ebenso vielen Lernvarianten verschrieben. Hier herrschen erhebliche Preis- und Niveauunterschiede.

Lernportale wie babbeldalango, ego4u und Rosetta Stone wollen z.B. Fremdsprachen spielerisch und intuitiv vermitteln. Auf Originalvideos als Sprachtrainer spezialisiert haben sich yabla und papagei.com.

Viele dieser Angebote sind auch mobil als Apps nutzbar – d.h. man kann überall lernen: sei es im Bus oder beim Friseur. Clip2go z.B. hat sich auf das “Lernen on the go” spezialisiert hat. Lernen Sie Englisch oder Spanisch und verbessern Sie Ihre Aussprache, egal wo Sie sich befinden  – im Auto, beim Joggen oder in der Fitnessstudio. Sie brauchen nur ein Gerät, das mp3s abspielen kann – z.B. einen iPod oder anderen mp3-Spieler. Mit dem Sprachführer2go können Sie über 3.000 Redewendungen und Vokabeln mit in den Urlaub nehmen.

Bücher

Alexandre Dumas’ Abenteuerromane oder Lew Tolstois “Anna Karenina” – wer bestimmte Autoren und ihr Werk schätzt, der sollte sie einmal im Original gelesen haben.

Die Welt der Literatur ist die Welt der Sprache(n): Egal wie gelungen eine Übersetzung ist, sie wird nur schwer an den Wortwitz oder die Poesie des Originals herankommen.

Für Anfänger ist der Einstieg aber nicht ganz einfach. Sie können z.B. mit Kinder- und Jugendliteratur beginnen. Oder sie tasten sich mit Comics heran: Durch die Kombination aus Bild und Text erschließen sich die Inhalte leichter.

Eine andere Variante sind z.B. Lernkrimis und -thriller: sie sind zwar nicht von Weltliteraten geschrieben, sind aber didaktisch gut aufbereitet. Daneben gibt es bilinguale Bücher und E-Books in der Fremd- und Muttersprache (z.B. bei Doppeltext, dtv, Sprachenshop.de oder tamakai-books).

Kochbücher

Die Kultur eines Landes drückt sich stark in seiner Küche aus. Eine genussvolle Art, sich einer Sprache anzunähern, können daher Kochbücher mit landestypischen Rezepten bieten. Der CompactVerlag bietet extra aufs Sprachenlernen konzipierte Kochbücher mit Vokabelkästen, Glossar u.ä.

Für Ihr nächstes Koch-Experiment beschäftigen Sie sich dann mit Ihrem Neuerwerb und überraschen vielleicht Ihre Freunde. Und während Sie die Einkaufsliste erstellen und in der Küche werken, lernen Sie gleichzeitig die Bezeichnungen für Gemüse- und Fleischsorten sowie Küchengerätschaften.

Hörbücher und -spiele

Hörbücher und -spiele sind treue Begleiter und eignen sie sich perfekt zum regelmäßigen Sprachenlernen “nebenbei”: sie kann man nicht nur Zuhause, sondern auch beim Joggen oder im Zug konsumieren.

Es müssen nicht immer originalsprachige Hörbücher sein, alternativ kann auch auf  Übersetzungen in die Lernsprache zurückgegriffen werden, z.B. Harry Potter auf Niederländisch oder Ken Follett auf Russisch. Einfach im Internet suchen und bestellen.

Speziell dem Spracherwerb dienen interaktive Hörbücher: Die vorgelesenen Passagen werden digital angezeigt und Schriftbild und Aussprache können direkt miteinander verglichen werden, z.B. bei Sprachkurs-Software.de.

Ausländische Presse

Wenn Sie die Struktur Ihrer neuen Sprache schon verinnerlicht haben, können Sie sich an die ausländische Presse heranwagen. Einer der Vorteile ist: Wer regelmäßig – am besten täglich – die internationale Presse studiert, dem wird das Weltgeschehen aus einer weiteren Perspektive vermittelt.

Die meisten Tageszeitungen unterhalten eine Online-Version, sodass Sie zum Zeitungskauf nicht einmal das Haus verlassen müssen. Wichtige Blätter sind z.B.: New York Times, Washington Post (USA); The Times, The Guardian (Großbritannien); Le Monde, Le Figaro (Frankreich); El País, El Mundo (Spanien).

Daneben gibt es Sprachzeitungen und -zeitschriften, in denen aktuelle Themen für unterschiedliche Sprachniveaus aufbereitet werden, z.B. bei Sprachzeitungen oder Spotlight-Verlag.

Filme, Serien und TV-Sendungen

Filme und Serien im O-Ton anzusehen, ist eine entspannte Art, sich mit Sprache auseinanderzusetzen. Das kann ein Klassiker, die Lieblingsserie oder auch ein Kinderfilm sein.  Ein positiver Nebeneffekt ist es, dass die volle Atmosphäre bewahrt bleibt, die meist mit der Synchronisation verloren geht.

Wortspiele und Witze werden nicht mehr in ihrem Sinn verstümmelt, Umgangssprache und Dialekte bleiben hörbar. Anfänger können den originalsprachigen Untertitel mitlaufen lassen. Vorsicht jedoch bei deutschen Untertiteln: im schlimmsten Fall konzentriert man sich nicht mehr auf das Original und liest nur noch mit.

Spiele und Rätsel

In geselliger Runde zusammensitzen und gleichzeitig etwas für die Sprachkenntnisse tun: das kann man mit fremdsprachigen Spieleklassikern genauso wie mit speziellen Lern- und Sprachspielen. Egal, wofür man sich entscheidet, in jedem Fall werden Wortschatz, Aussprache und Hörverständnis trainiert.

Falls es gerade an Spielpartnern mangelt, können Denksport-Aufgaben wie Kreuzworträtsel eine Alternative sein. Damit erweitern Sie nicht nur Ihr Vokabular, sondern tun auch etwas für Ihre Allgemeinbildung. Falls das Niveau des New York Times’ Crosswords noch zu hoch ist, kann erst einmal Rätselhefte für Kinder oder Sprachrätsel lösen.

Angebote gibt es z.B. beim SprachenShop.de und ullmannmedien.

Musik

Kultur lässt sich stark über die Ohren erfahren, sprich: über Musik. Besonders, wenn dazu gesungen wird (und sie bestenfalls zum Tanzen verleitet), wird das Klangerlebnis zur ganzheitlichen Lernerfahrung. Dadurch, dass verschiedene Sinneseindrücke miteinander harmonieren, werden Informationen nachhaltig im Gehirn verknüpft.

Wie wäre es also einmal mit französischem Jazz, portugiesischem House oder italienischem Rock? Erkundigen Sie sich nach bekannten Interpreten und gehen Sie auf musikalische Entdeckungsreise. Mit Songtexten zu lernen ist eine angenehme Abwechslung.

Dieses Konzept greift The Grooves auf: Das sind Audiodateien, die durch rhythmische Vertonungen das Lernen vereinfachen sollen. Wählen kann man z.B. zwischen Lerneinheiten zu irregulären Verben, vertont mit Rap oder Small Talk zu Klassik.

Auf die Übersetzung von Liedern setzt hingegen die Seite Classic Rocks, die z.B. englische Kinderlieder oder Folk in deutscher, spanischer, französischer und italienischer Übersetzung anbietet.