Die wichtigsten Begriffe im Studium

Sprechen Sie akademisch? Falls ja, sind Sie wahrscheinlich einer der mehr als 2,5 Millionen Studierenden an den deutschen Hochschulen. Falls nicht: Keine Sorge, das lernen Sie noch. Theoretisch haben Sie dazu ja noch ein paar Semester Zeit. Oder Sie studieren unsere Liste mit den wichtigsten Begriffen im Studium.

Hier erfahren Sie alles, was Student wissen muss, um im hochschulischen Talk mitreden zu können – Von A wie “Akademisches Viertel” bis “Z wie ZVS”.

A

Akademisches Viertel: Einst nutzte der Lehrkörper die ersten Minuten einer Stunde, um den Stoff der letzten Veranstaltung zu wiederholen. Wer meinte, den zu beherrschen, durfte später kommen. Diese Option gibt es heute nicht mehr. Dennoch fangen Seminare und Vorlesungen fast ausschließlich erst um Viertel Nach an. Erkennbar ist das an der Kennzeichnung c.t. (“cum tempore” = mit Zeit). Sollten sie doch einmal pünktlich beginnen, steht im Vorlesungsverzeichnis s.t. (“sine tempore” = ohne Zeit). Nicht zuletzt wegen des Akademischen Viertels ist eine “Stunde” in Wirklichkeit nur eine dreiviertel Stunde lang.

Alumni (von lat. “alumnus” = Zögling) bezeichnet alle Ehemaligen einer Hochschule. Studierende ebenso wie Mitarbeiter und Dozenten. Um miteinander in Kontakt bleiben zu können, organisieren Sie sich zuweilen in speziellen Ehemaligen-Netzwerken an der Hochschule.

AStA (kurz für: Allgemeiner Studierenden-Ausschuss) ist die Interessenvertretung der Studierenden zuständig ist. Ihr gehören ausschließlich Studenten an, die vom Studierendenparlament (StuPa) gewählt werden. Die Mitarbeiter der AStA beraten unter anderem die Studierenden bei Fragen zu Studienverlauf, Studienfinanzierung etc. Diese Arbeit finanziert sich aus einem Teil der Semesterbeiträge.

Audimax (kurz für: “auditorium maximum” = größter Hörsaal): bietet mehreren Hundert Menschen Platz zum Sitzen.

B

BAföG (kurz für: “Bundes-Ausbildungsförderungs-Gesetz”), rechtliche Grundlage zur Finanzierung des studentischen Lebensunterhaltes. Die Höhe der monatlichen Leistungen richten sich im Wesentlichen nach dem Einkommen der Eltern. Nach Ende Studiums ist der Hälfte der gewährten BAföG-Leistungen in Raten zurückzuzahlen. Studierende, die nach dem 01.03.2001 angefangen haben, müssen allerdings maximal 10.000 Euro zahlen (über einen Zeitraum von maximal 20 Jahren).

Bildungsfonds: Gelder zur Studienfinanzierung (bis zu 1.000 Euro pro Monat als Darlehen), gestiftet von privaten Investoren oder Hochschulen. Rückzahlung über drei bis sieben Jahre. Die Zinsen orientieren sich am Verdienst des Gefördertten (üblicherweise zwischen drei und zehn Prozent).

Blockveranstaltung: Seminar, das nicht regelmäßig während des ganzen Semester stattfindet, sondern an wenigen, arbeitsintensiven Terminen. Üblich sind dazu Wochenenden oder vorlesungsfreien Zeit.

Bologna: Italienische Universitätsstadt (seit dem 11. Jhd.) und Austragungsort einer Konferenz europäischer Bildungsminister im Jahr 1999. Die Veranstaltung gilt als Startschuss für die einheitlichen Studienabschlüsse in Europa. Das zweistufige Bachelor-Master-System entstammt den anglo-amerikanischen Hochschul-Prinzipien. Ziel war unter anderem, das Alter der Berufsanfänger herunterzusetzen und den Studentenaustausch innerhalb Europas zu fördern.

C

Credit Points (auch “Leistungspunkte”): Einheit, um den Arbeitsaufwand für Prüfungen bemessen zu können. Leistungspunkt gehören zu den Produkten des Bologna-Prozesses. Sie sollen helfen, Studienleistungen europaweit vergleichbar zu machen. Ein Leistungspunkt entspricht in etwa einem Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Stunden.

Centrum für Hochschulentwicklung (kurz: CHE) ist eine gemeinnützige GmbH, gegründet von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz. Die Gesellschaft veröffentlicht jährlich ein Ranking führender Hochschulen in Deutschland (veröffentlicht in der Wochenzeitung Die Zeit bzw. Zeit Online).

D

Duales Studium: Mischung aus Ausbildung im Betrieb und Studium (antatt Berufsschule) an einer Berufsakademie oder Fachhochschule. Schließen in der Regel mit dem Bachelor-Titel ab. Allerdings obliegt es den jeweiligen Universitäten, ob sie einen Bachelor von einer Berufsakademie bei der Bewerbung zu einem Master-Studiengang anerkennen. Weitere Informationen finden Sie u.a. auf Unicheck.de oder Wegweiser Duales Studium.

Deutscher Akademischer Austauschdienst (kurz: DAAD): Zusammenschluss deutscher Hochschulen mit dem Ziel, den internationalen Austausch von Akademikern (Wissenschaftlern und Studenten) zu fördern. Der DAAD organisiert und koordiniert Austauschprogramme, vergibt Stipendien für Auslandsaufenthalte und unterstützt den Aufbau von Universitäten im Ausland.

E

European Credit Transfer System (kurz: ECTS). Bewertungssystem infolge des Bologna-Prozesses. Nach den ECTS-Standards werden Punkte (Credit Points) für erbrachte Arbeitsleistungen vergeben.

Erasmus (kurz für: “European Region Action Scheme for the Mobility of University Students”. Akademisches Austauschprogramm der Europäischen Kommission, mithilfe dessen Studenten bis zu einem Jahr an einer europäischen Partnerhochschule studieren können.

Exzellenzinitiative: Seit 2005 unterstützen Bund und Länder “herausragende Forschungsprojekte und -einrichtungen” an Hochschulen. Zwischen 2006 bis 2011 wurden dafür rund 1,9 Milliarden Euro aufgebracht. Bis 2017 kommen noch einmal ca. 2,7 Milliarden Euro hinzu. Über die Förderung entscheidet die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat im Rahmen eines mehrstufigen Prozess von Anträgen und Gutachten.

F

Fachschaft: Fachspezifische Interessenvertretung von/für Studenten. Die Mitglieder sind Studienanfängern beim Erstellen der Stundenpläne behilflich, beantworten organisatorische Fragen, organisieren aber auch Partys und andere Veranstaltungen für Erstsemester.

Fakultät (auch “Fachbereich”): Hochschulzweig mit Fokus auf ein bestimmtes Fachgebiet (bspw. philosophische, medizinische, juristische, naturwissenschaftliche Fakultät).

G

Gasthörer: Wer nicht von Anfang bis zum Ende studiert, sondern lediglich einzelne Veranstaltungen belegt, gilt als Gasthörer. Da Sie kein Examen ablegen, sind Sie weder an die  Anwesenheits- noch an eine andere Pflicht gebunden.

H

Hilfswissenschaftler (kurz: HiWi) sind in der Regel Studierende, die neben ihrer akademischen Ausbildung bis zur 20 Stunden pro Woche für die Hochschule arbeiten. Sie bereiten gemeinsam mit den Dozenten Lehrveranstaltungen vor, forschen in deren Auftrag oder leiten selbst Tutorien. Neben den studentischen Hilfskräfte (kurz: SHK; angehende Bachelor) gibt es auch wissenschaftliche Hilfskräfte (z.B. Doktoranden und Master-Anwärter). Die Höhe des Gehalts legt das Land bzw. die Uni selbst fest. Grundsätzlich richtet sich aber nach der Qualifikation.

I

Institut: Organisatorische Unter-Einrichtung einer Fakultät. Mathematik, Biologie, Physik und Chemie sind beispielsweise Institute einer naturwisschenschaftlichen Fakultät.

K

Krankenversicherung: Die meisten Studenten zahlen keine eigenen Beiträge zur Krankenkasse, weil sie jünger als 25 sind und damit über ihre Eltern familienversichert. Wer älter ist, kann sich über die Hochschule krankenversichern lassen. Ab 30 Jahren bzw. dem 14. Semester müssen Sie (nach einer finanziell günstigeren Übergangsphase) als freiwilliges Mitglied einer Krankenkasse beitreten.

M

Matrikelnummer: Jeder Student bekommt bei der Einschreibung (Immatrikulation) eine mehrstellige Nummer zugewiesen. Bis zum letzten Tag weist er sich damit an der Uni aus, zum Beispiel bei der Bücherausleihe, aber auch bei Prüfungen.

Master of Business Administration (kurz: MBA) Studienabschluss mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt. MBA-Studiengänge werden überwiegend privaten Business Schools angeboten, u.a. als Aufbaustudium für “Wirtschaftsfremde” (z.B. Geisteswissenschaftler, Juristen, Naturwissenschaftler). Um zugelassen zu werden, müssen Bewerber in der Regel einen Abschluss als Bachelor und/oder einige Jahre Berufspraxis vorweisen können.

Mensa (von lat “mensa academia” = Ess-Tisch der Hochschule) ist die Kantine der Uni oder FH. Hier bekommen Studierende und Bedienstete günstige Mahlzeiten. Dabei hat sich in den letzten Jahrzehnten Grundlegendes im Image getan: Weg von der lieblosen Massenabfertigung, hin zu kulinarischer Vielfalt und  Wohlfühl-Ambiente.

Modul: Studieneinheit, zusammengesetzt aus fachlich ähnlichen Veranstaltungen. Das können Vorlesungen, Seminare, Tutorien, Exkursionen und Praktika sein.

Master: Zweite der in Bologna beschlossenen Studiengangs-Stufen. Dauert zwischen zwei und vier Semestern und hat im Gegensatz zum praxisorientierten Bachelor eine eher wissenschaftliche Ausrichtung. Dabei unterscheidet man prinzipiell zwei Arten von Master-Studiengängen: Konsekutiven, die inhaltlich auf das vorangegangene Bachelor-Studium aufbauen, und nicht-konsekutiven. Ein Abschluss als Master berechtigt zur Aufnahme eine Promotions-Studiums (Abschluss: Ph.D.).

N

Nachrückverfahren: Zweite Chance für Studienbewerber, die im ersten Anlauf keinen Platz bekommen haben. Möglich, sofern andere auf ihre Recht verzichten (bzw. woanders zu studieren beginnen).

Numerus Clausus (kurz: NC, von lat. “geschlossene Anzahl”): Zulassungsbeschränkung bei begehrten Studienfächern (Medizin, Tiermedizin und Pharmazie). Je nach Instanz unterscheidet man bundes- bzw. landesweite von örtlichen NCs. Nur diejenigen, die mindestens eine bestimmte Abiturnote (oder Wartesemester) vorweisen können, werden letztendlich zum Studium zugelassen. Die NCs orientieren sich an der Durchschnittsnote der vorliegenden Bewerbungen. Bundesweit limitierte Studiengänge verwaltet die Stiftung für Hochschulzulassung (ehemals ZVS).

O

Orchideenfächer sind wie ihre blumigen Verwandten: hübsch für Liebhaber (sprich: Wissenschaftler und Studenten), aber unglaublich teuer im Unterhalt. Daher kreist bei Kürzungsdebatten auch über den Exoten-Disziplinen oft als erstes der verwalterische Rotstift. Beispiele sind z.B. Sorabistik (Sprache und Kultur der Sorben), Koptologie (ein Untergebiet der Ägyptologie) oder Onomastik (Namenskunde). Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Homepage der Arbeitsstelle Kleine Fächer der Universität Potsdam

Orientierungswoche (kurz: O-Woche): Um Erstsemestern den Start ins Studium zu erleichten, gibt es (meist eine Woche vor Vorlesungsbeginn) eine Reihe von Einführungsveranstaltungen: Dozenten und Fachschaftler beantworten Fragen zum Studienverlauf, zur Uni und zur Hochschulstadt. Am Abend gibt es häufig spezielle Partys, damit sich die Neu-Ankömmlinge kennenlernen können.

P

Plagiat: Seit der Affäre um den ehemaligen Verteidigungsminister in aller Munde. Natürlich basiert eine wissenschaftliche Arbeit im Wesentlichen auf bestehenden Erkenntnissen. Wer allerdings das Gedankengut anderer als das eigene ausgibt (oder einfach den entsprechenden Zitat-Nachweis in der Arbeit “vergisst”), muss damit rechnen, dass sein Werk nicht gewertet wird. Zum Einen kennen Dozenten die einschlägige Literatur zu “ihrem” Thema. Zum Anderen überprüfen sie eingereichte Arbeit mithilfe spezieller Plagiats-Software. Je nach Ausmaß der unerlaubten Kopie können auf Plagiatoren auch Schadensersatzforderungen zukommen.

Prokrastination (auch: “Aufschieberitis”): Lieblings-“Krankheit” von Studenten und der größte Feind der Regelstudienzeit. Der Abwasch ist gemacht, die nächste Party organisiert, durch die Fenster kann man wieder durchsehen – nur die Semesterarbeit ist bislang unangetastet. Prokrastination (von lat. “Vertagung”) wird u.a. durch die Freiheit begünstigt, selbst zu entscheiden, wann man Uni-Stoff bearbeitet.

R

Regelstudienzeit: Ideale Zeitspanne, in der das Studium beendet werden sollte. Je nach Fach umfassen Bachelor-Studiengänge sechs bis acht Semester, Masterstudiengänge zwei bis vier Semestern. Kommt aber in der Realität aufgrund von nicht bestandenen Seminaren und optionalen Auslandssemestern oder Praktika eher selten vor.

S

Stiftung für Hochschulzulassung (kurz: SfH) übernahm 2010 die Aufgaben der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS): Sie verteilt Studienplätze in Studiengängen mit bundesweiter Zulassungsbeschränkung (u.a. Medizin).

Stipendien: Weitere Möglichkeit der Studienförderung, in der Regel vergeben von Stiftungen, Parteien, Konzernen und anderen Organisationen. Gründe für die Vergabe sind z.B. herausragende Leistungen, finanzielle Bedürftigkeit, soziales Engagement oder auch nur die regionale Herkunft. Im Gegensatz zu z.B. Empfängern von BAföG  müssen Stipendiaten das Geld nicht zurückzahlen. Einen umfassenden Überblick bekommen Sie unter anderem auf E-Fellows.

Studentenwerk: Zentrale Institution zur Organisation des Hochschullebens. Die 58 Studentenwerke in Deutschland betreiben beispielsweise Wohnheime und Mensen und bearbeiten die BAföG-Anträge.

Studiengebühren: Umstrittene Hochschulmaut zur Finanzierung des Uni-Betriebs. Bis zu 500 Euro zahlt Studenten an den staatlichen Unis in Niedersachsen und Bayern (den letzten beiden Bundesländern mit Studiengebühren) für die akademische Ausbildung.

Studienkredit: Wer weder BAföG bekommen noch seine Studienzeit wegen eines Nebenjob verlängern will, kann auch einen Studienkredit in Anspruch nehmen. Bis zu 14 Semestern lassen sich mithilfe eines verzinslichen Darlehens der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) überbrücken. Monatlich sind sogar zwischen 500 und 650 Euro drin.

Studierendenparlament (StuPa): Studentenvertretung an einer Uni oder FH. Sie legt den Haushalt und die Satzung der Studierendenschaft fest und wählt die Mitglieder des AStA.

T

TOEFL (kurz für: “Test of English as a Foreign Language” = Englischtest für Fremdsprachler) . Standard-Sprachtest für Studenten außerhalb des anglo-amerikanischen Umfeld, die Anglistik studieren wollen oder in einem anglophonen Land arbeiten oder studieren wollen. Innerhalb von 4,5 Stunden ermittelt er Ihre Fähigkeiten, Englisch zu sprechen, zu verstehen, zu lesen und zu schreiben.

Tutorium: Flankierende Veranstaltungen, um die Inhalte von Seminaren und Vorlesungen zu vertiefe und zu wiederholen. Tutorien werden häufig von Studenten aus höheren Semestern und HiWis des Dozenten abgehalten.

V

Vorlesungsfreie Zeit: Korrekte Bezeichnung für die Semesterferien am Ende eines Semesters. Viele Studierende sind in dieser Zeit mit Prüfungen oder Hausarbeiten beschäftigt, nehmen an Blockveranstaltungen teil oder absolvieren Praktika.

Z

ZVS (kurz für: Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen), wachte bis 2010 über NCs und Zulassungen, heißt heute Stiftung für Hochschulzulassung (SfH).

Fabian Köhler

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