Lösungen für Problem-WGs

In studentischen Wohngemeinschaften, kurz WGs, prallen häufig die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander: der Selbstdarsteller trifft auf den Schüchternen, der Chaot auf den Putzteufel. Da kann es oft zu Meinungsverschiedenheiten oder sogar Auseinandersetzungen kommen.

Allerdings soll die Wohnung Ihr Rückzugsort und Platz zum Erholen sein. Nicht alle Menschen sind gleich, aber trotz gravierender Unterschiede ist es dennoch möglich, miteinander auszukommen – Sie müssen ja nicht gleich Freundschaften fürs Leben schließen, auch wenn das natürlich schön wäre. Daher gibt es hier unsere Tipps für ein friedliches Zusammenleben.

Häufig Reibereien in WGs

Eine Wohngemeinschaft ist super geeignet, wenn Sie zum Studieren in eine neue Stadt kommen und Anschluss suchen. Etwa 25 Prozent aller Studierenden leben in einer WG. Sie haben immer jemanden um sich herum, können sich im besten Fall Insidertipps geben lassen und lernen vielleicht sogar nette Leute kennen, die mit Ihren Mitbewohnern befreundet sind.

Natürlich kann es zu Reibereien kommen, denn immerhin haben Sie sich Ihre Mitbewohner nicht unbedingt besonders sorgfältig aussuchen können – bei einem kurzen Vorstellungsgespräch sitzt das nicht drin.

Aber genauso viel Konfliktpotenziel steckt in einer WG zusammen mit einem guten Freund oder Bekannten, da Sie ihn jetzt aus einer anderen Perspektive kennenlernen, die Ihnen vielleicht nicht unbedingt gefällt. Und umgekehrt kann es sicherlich genauso sein.

Jeder Mensch ist anders

Es sind vor allem junge Menschen, die im Form einer Wohngemeinschaft zusammen leben. Viele von ihnen sind noch nicht ausreichend auf ein selbständiges Leben außerhalb des Elternhauses vorbereitet oder haben einfach noch nicht genügend Erfahrungen gesammelt. Daher lassen sie, wenn auch vielleicht unbeabsichtigt, vieles im Haushalt oder im zwischenmenschlichen Bereich schleifen.

Andere sehen die WG nur als Übergangslösung und wollen so schnell wie möglich in eine eigene Wohnung ziehen, weshalb sie sich für nichts verantwortlich fühlen: “Ist doch egal, wenn die Wohnung vermüllt, ich bin ja sowieso bald weg!” Diese Menschen nehmen auch keinerlei Rücksicht auf die Befindlichkeiten Ihrer Mitbewohner.

Ein “Putzteufel” in der WG kann ebenfalls für Unruhe sorgen. Zwar ist es wichtig, eine saubere und aufgeräumte Wohnung zu haben, aber man sollte es nicht übertreiben. Schließlich sind Sie zum Studieren hier und wollen Ihre restliche Freizeit genießen und nicht nur mit Putzen verbringen. Bei solch extremen Fällen ist es von Vorteil, wenn Menschen zusammen leben, die die gleiche Auffassung haben und sich ergänzen.

Eine schlecht harmonierende WG ist wie ein schwelendes Pulverfass, das bei der kleinsten Erschütterung bzw. beim kleinsten Problem hochgehen kann.

Problem: Es wird nicht geputzt

Es ist wohl das älteste und bekannteste Problem, das in einer Wohngemeinschaft auftreten kann: das leidige Thema Sauberkeit. Sie selber machen viel, andere eher wenig, und manche halten sich vornehm ganz vom Putzen fern. Das führt schnell zu Frust bei Ihnen, wenn Sie die ganze Zeit hinter allen herräumen und saubermachen.

Denn ganz ehrlich: Was bleibt Ihnen anderes übrig, wenn Sie nicht gerne im Dreck wohnen und alle Argumente an den Mitbewohnern abprallen? Das muss nicht gleich böse Absicht sein, sondern zeugt bestimmt vor allem von Bequemlichkeit. Aber das macht die Sache ja nicht unbedingt besser.

Lösung: Wenn ausreichend Geld da ist, wäre es am einfachsten, eine Reinigungskraft einzustellen. Aber das ist in Studenten-WGs meistens nicht der Fall und löst ja auch nicht das eigentliche Problem.

Ein guter Anfang ist es, den klassischen Putzplan zu erstellen. Darin wird festgelegt, wer wann mit Bad putzen, Abwasch, Staubsaugen usw. dran ist. Ob sich jeder daran hält, ist natürlich fraglich, aber wenigstens ist eine Struktur vorhanden – Ihre Mitbewohner können nicht mehr behaupten, nicht an der Reihe gewesen zu sein.

Eine weitere Maßnahme ist das Aufstellen eines Sparschweins. Dort muss jeder einen gewissen Betrag einzahlen, der sein Soll nicht erfüllt hat, und am Ende geht die ganze WG von dem Geld Feiern (falls genug Geld zusammenkommt). Trotzdem muss es aber auch möglich sein, seine Pflichten ein wenig zu verschieben oder untereinander zu tauschen, solange dies bereits im Vorfeld angekündigt wird.

Für den Spüldienst können Sie eine “Spüluhr” mit den Namen aller Mitbewohner über die Spüle hängen. Der Zeiger weist auf denjenigen, der dran ist. Sobald er seine Pflicht getan und alles abgespült hat, stellt er den Zeiger einfach auf den nächsten Namen. Das bedeutet: Je länger man das Spülen aufschiebt, desto größer wird auch der Geschirrberg!

Wenn innerhalb der WG alle einverstanden sind, können Sie auch einen festen Termin pro Woche abmachen, zu dem Sie dann alle zusammen putzen. Anschließend gibt es vielleicht zur Belohnung für alle Bier und Pizza? Das fördert auf jeden Fall den Zusammenhalt und die Kommunikation.

Problem: Rechnungen werden nicht bezahlt

Das ist eine ganz üble Sache, wenn Sie Hauptmieter sind und auf den Mietanteil Ihrer Mitbewohner warten müssen. Oder wenn der Telefonanschluss über Sie läuft, jeder fleißig Gespräche führt und Sie trotzdem am Ende des Monats alleine auf der Rechnung sitzenbleiben.

Lösung: Wenn alle Mitbewohner den Mietvertrag unterschreiben, sind sie gleichberechtigt. Das bedeutet, dass alle haften, wenn die Miete nicht komplett gezahlt wird. Die meisten Vermieter ziehen diese WG-Form zwar vor, aber wenn es geht, sollten Sie Hauptmieter der Wohnung mit mehreren Untermietern sein.

In dem Fall können Sie unliebsamen Mitbewohnern kündigen, tragen aber auch die Verantwortung für die Wohnung. Daher bietet es sich an, im Vorfeld die finanziellen Belastungenwie Kaution, Nebenkosten etc. genau zu definieren und schriftlich festzuhalten. So haben Sie zur Not etwas in der Hand.

Problem: Mitbewohner sind zu laut

Es ist klar, dass man in einer Wohngemeinschaft auch mal Lärm ertragen muss. Sie selber sind sicherlich auch das ein oder andere Mal lauter als sonst, haben mehrere Leute zu Besuch oder drehen die Musik auf.

Aber wenn der Mitbewohner ständig auf seinem Schlagzeug übt, mit seiner Freundin im Ausland am späten Abend lauthals per Skype telefoniert oder Dauerbesuch hat, müssen Sie ihm klarmachen, dass es so nicht weitergehen kann – zumindest sobald Sie beginnen, darunter zu leiden.

Lösung: Stellen Sie gemeinsam mit den Mitbewohnern klare Regeln auf, zum Beispiel einen besuchsfreien Tag in der Woche. Das ist besonders in Lern- und Klausurphasen sinnvoll, damit Sie sich konzentrieren können. Andersherum müssen Sie natürlich auch kompromissbereit sein, wenn Ihre Mitbewohner das gleiche einfordern.

Besuche von mehreren Personen oder lautstarke Unternehmungen wie Zimmerpartys müssen vorher angekündigt werden, damit jeder Einspruch einlegen kann, falls er Ruhe benötigt. Generell ist es zwar normal, dass es in WGs auch mal laut zugeht, aber Sie müssen die Möglichkeit haben, dagegen zu protestieren, ohne dass gleich der Haussegen schief hängt.

Problem: Partner/in ist ständig da

Eine feste Beziehung ist eine tolle Sache, sofern sie funktioniert. Da ist es klar, dass man den Partner gerne um sich haben möchte. Wenn Sie allerdings in einer WG leben und zum Beispiel die Freundin des Mitbewohners quasi schon fast mit eingezogen ist, wird es Zeit, das Problem anzusprechen.

Denn es geht ja nicht nur um die Platzfrage, sondern sorgt auch für wesentlich höheren Energie- und Wasserverbrauch, also für steigende Nebenkosten. Außerdem kann die ständige Anwesenheit der Freundin dazu führen, dass Sie sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlen und sich irgendwann fragen, was Sie überhaupt noch in der “Pärchen-W0hnung” zu suchen haben.

Lösung: Versuchen Sie, Ihrem Mitbewohner möglichst sachlich Ihre Situation zu schildern. Im Grunde wollen Sie die Freundin ja auch gar nicht aus der Wohnung verbannen, sondern ihre Besuche ein wenig einschränken. Warum sollten die beiden nicht einfach zwei oder drei Abende pro Woche in ihrer Wohnung verbringen?

Auch die Nebenkostenproblematik müssen Sie klären, und zwar ebenfalls ohne Schuldzuweisungen. Schlagen Sie vor, dass die Freundin einen Teil dazu gibt oder als Alternative vielleicht einmal pro Woche ein Abendessen für Sie alle zubereitet. Das funktioniert aber nur, wenn Sie sich mit ihr prinzipiell gut verstehen.

Um nicht in ihrer eigenen Wohnung zu vereinsamen, können Sie mit Ihrem Mitbewohner ausmachen, dass Sie an festen Terminen einen gemeinsamen Abend ohne die Freundin verbringen, “so wie früher”. Damit wird die Freundschaft gestärkt, und auch die Freundin muss einsehen, dass es der Wohnsituation zugute kommt.

Problem: Raucher gegen Nichtraucher

Es ist zwar selten, kommt aber vor, dass beim Vorstellungsgespräch das Thema Rauchen nicht auf den Tisch gekommen ist. Jetzt sind Sie eingezogen und merken, dass Ihr Mitbewohner in der Küche raucht… und das stört Sie gewaltig. Aber was tun, ohne in Streit zu geraten? Das Rauchen wird er wegen Ihnen wohl kaum aufgeben.

Lösung: Appellieren Sie an die Rücksichtnahme Ihres Mitbewohners, aber versetzen auch Sie sich in seine Lage. Rauchen ist eine Sucht, und Sie müssen verstehen, dass er damit nicht aufhören oder jedes Mal vor die Tür gehen möchte.

Sie könnten versuchen, den Balkon oder die Terrasse als Raucherzone zu deklarieren, wenn beide Seiten einverstanden sind. Schwierig wird es, wenn Sie ihm verbieten möchten, in seinem Zimmer zu rauchen. Sagen Sie ihm, dass der Rauch sich in der ganzen Wohnung verteilt in der Hoffnung, dass er das einsieht. Das gleiche gilt für die Küche, in der Sie ja immerhin essen möchten, ohne das Raucharoma im Mund zu haben.

Problem: Lebensmittel verschwinden

Sie haben Hunger auf die teure Markenpizza, die Sie gestern gekauft haben – und sie ist weg. So etwas passiert tagtäglich in deutschen WGs und ärgert Sie als rechtmäßigen Besitzer ungemein, denn entweder müssen Sie jetzt noch einmal einkaufen gehen oder etwas anderes essen.

Vor allem aber nervt es, das Sie jetzt auch noch mit Ihrem Mitbewohner diskutieren müssen, dass das nicht in Ordnung ist und wann Sie Ersatz bekommen – wenn überhaupt.

Lösung: Wie in vielen anderen Bereichen müssen Sie auch hier feste Absprachen treffen, denn in der Regel teilen sich alle WG-Bewohner einen Kühlschrank. Entweder legen Sie fest, dass die Sachen der anderen absolut tabu sind, oder Sie einigen sich auf eine Frist, nach der das Lebensmittel wieder da sein muss. Hier bietet sich bei Verstößen auch das oben genannte Sparschwein an.

Außerdem muss es sich dabei um genau das gleiche Produkt handeln, denn eine Discounter-Pizza ist preislich und geschmacklich nicht mit Ihrer Pizza zu vergleichen!

Bei vielen Haushaltsartikeln macht es Sinn, sie für den gemeinsamen Gebrauch zu kaufen wie zum Beispiel Zucker, Salz, Mehl, Bratfett, Spülmittel etc. Aber auch dann sollten Sie genau bestimmen, wer wann mit dem Nachkauf an der Reihe ist, damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommen kann. Am geeignetsten ist dafür eine gemeinsame Haushaltskasse, in die jeder monatlich einzahlt und aus der solche gemeinschaftlichen Einkäufe finanziert werden.

Für alle anderen Sachen können Sie entweder persönliche Bereiche in Schrank und Kühlschrank bestimmen, auf die grundsätzlich niemand anderes als der Besitzer zugreifen darf. Alternativ kann auch ein Stift zur namentlichen Markierung der Sachen genutzt werden.

Der Ton macht die Musik

Auch wenn solche Probleme mit der Zeit ganz schön nerven, ist es dennoch wichtig, nicht allzu verbissen an die Sachen heranzugehen. Bleiben Sie möglichst entspannt und sehen Sie das Ganze mit Humor, wenn Sie können. Damit erreichen Sie im Endeffekt am meisten.

Und generell gilt: Reden hilft. Wenn Sie die Dinge, die Sie stören, nicht ansprechen, wird sich auch nichts ändern – Ihre Mitbewohner werden kaum von selbst auf die Idee kommen, dass Sie sich auf den Schlips getreten fühlen. Also sprechen Sie Ihre Gedanken einfach aus, erst dann können Sie zusammen versuchen, Lösungen zu finden.

Vielleicht führen Sie wöchentliche oder monatliche WG-Treffen an einem festen Termin ein? Dabei kann dann jeder äußern, was ihn stört. Das sollte aber ohne Schuldzuweisungen geschehen; Sie teilen einfach auf neutraler Ebene Ihre Befindlichkeiten mit. Damit lässt sich so mancher Konflikt bereits aus der Welt schaffen, bevor er eskalieren kann.

Am wichtigsten sind feste Absprachen. Das mag zwar zunächst einengend erscheinen, aber sie bilden das Gerüst, das die WG strukturiert und aufrecht hält. Wenn jeder weiß, wie er sich zu verhalten und was er zu tun hat, entstehen viel weniger Reibereien.

Es gibt aber auch Menschen, die einfach zu gegensätzlich sind, um zusammen zu wohnen. Falls Sie feststellen, dass alle möglichen Wege zum friedlichen Zusammenleben nicht funktionieren, lösen Sie konsequent die WG auf – das erspart Ihnen viel Stress, und wer weiß, ob aus Ihnen und Ihrer nächsten WG nicht Freunde fürs Leben werden?

Weiterführende Links

WG-Ratgeber – Für ein harmonisches Zusammenleben
WG-Leben – Die Seite rund um das Leben in einer Wohngemeinschaft
WG-gesucht – WG Zimmer, Wohnungen, Wohnungssuche
Studenten-WG – WG Wohnungsmarkt / Wohnungssuche / WG Suche
Wgfinden.de – Per Test die richtigen WGs und Mitbewohner finden

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